Mittwoch, 26. Mai 2010

Folter und Misshandlung in 111 Staaten:
Traurige Bilanz von Amnesty International

  • Düsterer Bericht der Menschenrechtsorganisation
  • Wegweisender Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten

In ihrem neuen Jahresbericht beklagt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) Folter und Misshandlung in mindestens 111 Staaten, also mehr als der Hälfte aller Länder der Welt. In 55 Ländern würden Inhaftierte unfairen Verfahren ausgesetzt, in 48 Ländern nicht gewalttätige, politische Gefangene eingesperrt und in 96 Ländern sei die Meinungsfreiheit eingeschränkt, heißt es im Jahresbericht 2010 der Organisation. Alles in allem werden nach den Erkenntnissen der ai-Reporter weltweit in 159 Ländern Menschenrechte verletzt.

Als "wegweisend" bezeichnet Amnesty den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Sudans Präsidenten Omar al-Bashir. Die Anklage gegen diesen amtierenden Präsidenten sei als ein "Paukenschlag" einzustufen, sagte die Generalsekretärin Monika Lüke. "Düster" sei auch die Lage in Afghanistan. Dort würden weiterhin Zivilisten "Opfer der Taliban, anderer bewaffneter Gruppen sowie der internationalen Streitkräfte".

Deutlich verschlechtert habe sich die Situation im Iran: Seit den Präsidentenwahlen im Juni 2009 würden Oppositionelle und Menschenrechtsverteidiger verstärkt verfolgt. Zeitweise waren laut Amnesty bis zu 5000 Regierungskritiker in Haft und "immer in Gefahr gefoltert zu werden". In Schauprozessen seien mehr als 80 Menschen verurteilt worden, mindestens 16 von ihnen zum Tode.

(apa/red)

26.5.2010 22:55