Dienstag, 25. Mai 2010

60 Tote bei Kampf um Gangsterhochburg: 1.000 Polizisten stürmen Armenviertel

  • Polizei vermutet dort Versteck eines Drogenbosses
  • Jamaika: Zahlreiche Zivilpersonen unter den Opfern

In der jamaikanischen Hauptstadt Kingston ist der Kampf zwischen einem Drogenkartell und der Armee endgültig eskaliert. Auf beiden Seiten starben bisher mindestens 60 Menschen, darunter zahlreiche Zivilpersonen. Mehr als 1.000 Polizisten und Soldaten umstellten am Dienstag das von Kriminellen abgeriegelte Armenviertel Tivoli Gardens. Dort hat sich ein Drogenboss verschanzt.

Armee- und Polizeieinheiten hatten Tivoli Gardens seit dem Wochenende abgeriegelt, in dem sich der mutmaßliche Gangsterboss Christopher "Dudus" Coke (41) verschanzt hat. Wie lokale Medien berichteten, waren in den Straßen des Viertels schwere Explosionen zu hören und Rauchschwaden zu sehen. Der Ausbruch der Gewalt hatte sich Ende der vergangenen Woche an der Entscheidung der Regierung entzündet, Coke, einen gesuchten Drogenboss, an die USA auszuliefern.

Angesichts der Schließereien in vielen Teilen der Hauptstadt baten die Behörden die Einwohner, Blut zu spenden. Die Fluggesellschaft Air Jamaika sagte mehrere Flüge ab. Die Regierung ordnete die Schließung der Schulen an. Cokes Anhänger versperrten die Zufahrten zu Tivoli Gardens unweit des Stadtzentrums mit Barrikaden. Sie schichteten Sandsäcke zu Wällen auf und füllten unter anderem Kühlschränke mit Sand.

Premier Golding sagte den Banden den Kampf an und verhängte in der Hauptstadt einen für einen Monat geltenden Ausnahmezustand. Inzwischen griffen die Unruhen auch auf die Stadt Spanish Town über, wo eine Polizeiwache beschossen wurde. Auch aus anderen Stadtteilen wurden Schießereien gemeldet.

Der Drogenhandel ist in Jamaika tief verwurzelt. Das Land hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Bei 2,8 Millionen Einwohnern gab es 1.660 Morde im Jahr 2009.

(apa/red)

25.5.2010 22:50