Freitag, 21. Mai 2010

Bunt, aber vom Aussterben bedroht:
Smartphones verdrängen MP3-Player

  • Trend gilt vorläufig nur für europäische Regionen
  • Gesamtmarkt für Musik noch lang nicht ausgeschöpft

Musik auf dem Handy befindet sich europaweit auf klarem Wachstumskurs. 23,8 Prozent der Handynutzer in den fünf größten europäischen Märkten - Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien - hören mittlerweile Musik auf ihrem Handy. Das ergab eine aktuelle Untersuchung des Marktforschers comScore. Insgesamt sind das 54 Mio. Menschen, die einen Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr repräsentieren.

An erster Stelle rangiert Spanien, wo 30 Prozent der Handynutzer mobil Musik hören. Dahinter folgt Deutschland mit 25,8 Prozent. Großbritannien kommt mit 22,6 Prozent auf Platz drei und liegt trotz allgemein hoher Affinität zu Musik etwas unter dem europäischen Durchschnitt.

Nachholbedarf in den USA
Im Gegensatz zu Europa entwickelt sich das mobile Musikhören in den USA weitaus schleppender. Die Staaten liegen mit nur 13,2 Prozent weit hinter dem europäischen Markt in der Entwicklung zurück. Innerhalb der untersuchten europäischen Märkte erzielen Frankreich und Italien derzeit den niedrigsten Wert mit 21 Prozent.

"Grund dafür, dass die USA in der Entwicklung zurückliegen, sind die unterschiedlichen Arten von Handys, die jahrelang beworben wurden", erklärt Alistair Hill, Senior Analyst bei comScore. Während in Europa beispielsweise seit Jahren Sony Ericsson mit seinen Musikhandys auf dem Markt vertreten war, gab es in den USA laut Hill keine vergleichbaren Angebote. "Deshalb entwickelt sich der Bereich Mobile Music dort erst langsam."

iPod gehen die Argumente aus
"Smartphones werden reine MP3-Player wie den iPod über kurz oder lang ersetzen. Es wird zwar etwas länger dauern als einige Leute in der Branche glauben, aber die Entwicklung wird eintreten", ist Hill überzeugt. In Zukunft wird es keinen Grund mehr dafür geben, zwei unterschiedliche Geräte zu besitzen, wenn mit einem alles gemacht werden kann, prognostiziert Hill.

"Natürlich wird es weiter Nutzer geben, die an ihrem iPod hängen - vor allem, wenn sie kein musikfähiges Handy besitzen. Insgesamt werden iPhone und Co jedoch die MP3-Player verdrängen." Hill geht davon aus, dass der iPod in den kommenden fünf Jahren klar an Popularität verlieren wird.

Europäischer Markt noch immer klein
"Trotz des schnellen Wachstums bei den mobilen Musikdownloads in Europa ist der Gesamtmarkt aber nach wie vor klein", sagt Hill. Gleichzeitig seien inzwischen jedoch bisher nicht ausgeschöpfte Werbemöglichkeiten für Musikverlage zu sehen. "Leute, die auf ihren Handys Musik hören, surfen auch eher im Netz und knapp die Hälfte davon besitzt Smartphones", führt Hill aus. (pte/red)

Quelle: Pressetext

21.5.2010 11:40