Eskalation in Thailand: Ganz weit weg
- Susanne Scholl über die Proteste in Bangkok
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?
Thailand ist das nicht dieses Land unter Palmen, mit weißen Stränden und wunderbaren Hotels? Mit einem Märchenkönig, der seinerzeit mitsamt bildschöner Ehefrau der Illustrierten Europas liebstes Objekt war. Dieses Land, in das man auf Urlaub fährt, wenn man etwas Besseres sein will? Das Land, wo alte weiße Männer sich wunderschöne kleine Mädchen als Sexspielzeug kaufen? Ach ja, der Tsunami, den gab es dort auch noch, und viele Tote, damals. Na ja, so viele Touristen sind da ums Leben gekommen, ein Jammer.
In Bangkok leben Luxus und Armut direkt nebeneinander. Jetzt so sehr, dass im Geschäftsviertel geschossen wird und Europa seinen Bürgern rät, Urlaub anderswo zu machen. Mehr nicht. Für mehr haben wir keine Zeit schließlich haben wir unsere eigenen Sorgen.
In Bangkok im besetzten Geschäftsviertel liegen auch viele junge Frauen mit ihren Kindern auf den Plastikmatten am Boden unter den Betonbögen, die vor den Schüssen des Militärs schützen sollen. Die Aufforderung, den Protest aufzugeben und das umstellte Viertel zu verlassen, haben die meisten von ihnen einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Unter der jetzigen Regierung, sagen sie, ist es so schwer, auch nur halbwegs würdevoll zu existieren, dass sie bereit sind, ihr eigenes und auch das Leben ihrer Kinder aufs Spiel zu setzen. Wenn sie jetzt aufgäben, hätten sie ohnehin keine Chance, sie nicht und ihre Kinder nicht. Sie wissen, dass sie gegen die Armee keine Möglichkeit haben, zu gewinnen. Die Regierung aber, die sich jetzt großzügig zeigen könnte, bleibt unerbittlich und lässt weiterschießen. In der Gewissheit, nicht zur Verantwortung gezogen zu werden.
Europa aber rät von Reisen nach Thailand ab und schaut im Übrigen gekonnt weg.
