Donnerstag, 20. Mai 2010

Umstrittener Kampf gegen Börsenwetten:
Berliner Verbot von Leerverkäufen kritisiert

  • Paris und Brüssel bemängeln deutschen Alleingang
  • Banken prophezeien Ausweichen auf andere Ventile

Deutschland schiebt Spekulanten einen Riegel vor - und könnte dem Kampf gegen Spekulanten damit einen Bärendienst erweisen: Das deutsche Verbot von ungedeckten Leerverkäufen wird von einzelnen Euro-Partnern äußerst skeptisch aufgenommen. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde kritisierte Berlin weniger die Regelung an sich, sondern die Tatsache, dass Deutschland sich bei der Einführung nicht mit europäischen Partnern abgestimmt hat. Frankreich werde Deutschland daher nicht folgen.

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat besonders spekulativern Geschäften einen Riegel vorgeschoben: Untersagt sind ab sofort unter anderem ungedeckte Leerverkäufe bei Staatsanleihen. Das sorgt für Unmut bei anderen Ländern.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sparte nicht mit scharfen Worten in Richtung Berlin. Die Ministerin wies aber zurück, dass sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und Berlin damit weiter vergrößert hätten. "Wir sind dabei, die fehlenden Teile des europäischen Hauses zu bauen", sagte Lagarde. Dabei sei es normal, dass es auf der Suche nach einem Konsens auch "Konfrontationen" gebe. Kanzlerin Merkel kündigte weitere Regulierungsschritte auch ohne internationale Abstimmung an.

Kritik auch aus den USA
EU-Kommissar Barnier betonte, er verstehe die Sorge über mögliche Auswirkungen der riskanten Transaktionen auf die unruhigen Märkte. Doch sei es "wichtig, dass die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam handeln". Auch in den USA sorgte das deutsche Vorgehen für Kopfschütteln. Der Alleingang wirke wie ein hilfloses Um-Sich-Schlagen, meinte der Währungsexperte der New Yorker Investment-Firma Brown Brothers, Marc Chandler. "Es erscheint unausgegoren und nicht wirklich durchdacht und bestärkt Marktzweifel an der Glaubwürdigkeit der europäischen Politik."

Die deutschen Privatbanken lehnen den deutschen Alleingang beim Verbot ungedeckter Leerverkäufe ab. Die Politik habe erst monatelang zugesehen, wie das Kind in den Brunnen gefallen sei und habe nun überstürzt gehandelt, kritisierte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz. Der Markt werde sich ein anderes Ventil suchen und auf ein nationales Verbot reagieren, indem die entsprechenden Geschäfte an anderen Orten getätigt würden.
apa/red)

20.5.2010 13:08
subjektiv, 21. 05. '10 09:59
Eier in der Hose
Irgendwer muss ja den ersten Schritt machen und jedem Menschen Recht getan ist eine Kunst die keiner kann.
Wenn unsere Politiker nur im Verband mit den großen solche Schritte wagen (was ich sogar bei vielen Vorhaben begrüße) wäre nun ein guter Zeitpunkt aufzuspringen bevor wir wieder ohne Eier in der Hose hinterherzappeln.
brabus, 20. 05. '10 14:45
Spekulanten
Also Frankreich ist jetzt trotzig, weil Deutschland den ersten Schritt in die richtige Richtung unternommen hat. Politiker Europas, nehmt Euch ein Beispiel an Fr Merkel. Sie versucht die Ursachen der Krise zu bekämpfen, und alle anderen Hohlköpfe suchen nach Argumenten dagegen, wohl deshalb weil sie selbst daran verdient haben.