Der Euro ringt ums Überleben: Europas
Finanzminister suchen den letzten Ausweg
- Gemeinschaftswährung auf neuem Vier-Jahres-Tief
- Milliardenpaket verfehlt auf Märkten seine Wirkung

·Neue Matrosen für
das wankende Schiff
KLICKEN: Dem Euro
steht Nachwuchs ins Haus
·"Die schwerste Krise
seit dem 2. Weltkrieg"
EZB-Präsident fordert mehr staatliche Kontrolle
·Europa ärmer dran
als bisher befürchtet
Wifo: Nicht nur Budget-, auch Wachstumsproblem
·Euro-Rettungsschirm nur vorläufige Lösung
Merkel: "Problem bei
der Wurzel anpacken"
Die Finanzminister der Eurogruppe sind Montagabend in Brüssel zu Beratungen über die Schwäche der Gemeinschaftswährung zusammengetereten. Der vor wenigen Tagen wegen der drohenden Ausweitung der Griechenlandkrise vereinbarte milliardenschwere Euro-Rettungsschirm hatte nicht die gewünschte Wirkung gezeigt: Der Kurs des Euro ist auf den tiefsten Stand seit vier Jahren abgerutscht.
Zeitweise war die Gemeinschaftswährung Montagfrüh zu 1,2237 Dollar zu haben und damit drei Cent günstiger als noch im Handelsverlauf am Freitag. "Es hat den Anschein, als würden die Finanzmärkte den Politikern in Europa nicht die Zeit geben, halbwegs in Ruhe neue Spielregeln für die Mitgliedsländer der Währungsunion aufzustellen", erklärte UniCredit-Rentenstratege Kornelius Purps. Hauptgrund für den Ausverkauf der Gemeinschaftswährung blieb die Verunsicherung über die langfristigen Folgen der europäischen Schuldenkrise. Viele Investoren befürchten, dass die rigiden Einsparungen einiger Staaten den wackligen Aufschwung innerhalb der Währungsunion abwürgen könnten.
Schweiz ist kein Sündenbock
Der österreichische Finanzminister Pröll hat sich entschieden gegen den Vorschlag seitens der SPÖ ausgesprochen, die Schweiz in den Euro-Rettungsschirm einzuspannen. Die Schweiz zahle bereits derzeit über den Internationalen Währungsfonds (IWF) doppelt so viel wie Österreich, und man sollte "nicht einseitig versuchen, die Schuld auf andere abzuwälzen".
"Daran ist die Welt 1930 gescheitert, dass ein Nachbarstaat den anderen bezichtigt hat, dass man die Herausforderungen nicht gemeinsam angegangen ist, sondern immer Schuldige gesucht hat", sagte Pröll. Man dürfe nicht die Verantwortung abschieben. "Klar ist, die Schweiz muss ihren Anteil liefern und sie tut das auch mit dem IWF und das, was sie mit den Banken getan hat".
Schärfere Regeln für Hedgefonds
Am Dienstag wollen sich die Finanzminister aller 27 EU-Staaten noch einmal in Brüssel treffen. Sie wollen sich über schärfere Regeln für Hedgefonds einig werden. Erstmals wird im Kreis der Finanzminister auch der Vorschlag der EU-Kommission behandelt, frühzeitig in die nationalen Budgets einzugreifen und den Euro-Stabilitätspakt durch mehr Kontrollen und Sanktionen zu verschärfen. Eine Debatte dazu sei nicht vorgesehen, am Freitag soll erstmals eine Taskforce der EU-Finanzminister mit Ratspräsident Van Rompuy darüber beraten. Österreich ist durch Finanzminister Pröll vertreten. (apa/red)
