Porzellan und Chips für die Brieftasche:
Obama will billige Centmünzen herstellen
- Metallkosten für kleinste Münzen höher als ihr Wert
- Verbraucher und Verbände kündigen Widerstand an

Ist die Metallmünze ein Auslaufmodell? US-Präsident Barack Obama will angesichts steigender Metallpreise kleine Cent-Münzen künftig aus Porzellan gießen lassen. Auf satte 100 Millionen Dollar errechnete man das Einsparpotential, das man jährlich durch eine Produktionsumstellung heben könnte. Und damit nicht genug: Im Porzellan ließe sich sogar noch ein Chip installieren. Verbraucher freut das weniger - sie könnten das Vertrauen in ihren Dollar verlieren.
Wenn man so will, ist die Prägung von Cent-Münzen für den amerikanischen Staat ein Verlustgeschäft. Jeder "Penny", wie die Ein-Cent-Münzeinheit genannt wird, kostet die US-Notenpresse zwei Cent, für jeden "Nickel", im Wert von fünf Cent, muss der Staat neun Cent löhnen. Eine Gleichung, die angesichts der steigenden Preise für Metalle, für den Steuerzahler längst nicht mehr aufgeht.
Im Weißen Haus heckt man daher revolutionäre Pläne aus: "Die Umstellung auf kosteneffektivere Materialien würde uns jährlich mehr als 100 Millionen Dollar ersparen", weiß Dan Tangherlini. "Kein Taschengeld", wie der Finanzchef im amerikanischen Treasury Department treffend bemerkt.
Die eigentliche Revolution könnte das Material ausmachen. Neben der Umstellung der größtenteils aus Zink- und Kupfer bestehenden Centmünzen auf Aluminium, wie sie beispielsweise auch in Österreich mit der 2-Groschen-Münze im Umlauf war, wird in den USA auch die Einführung von Münzen mit Porzellankern debattiert.
Zweifel der Verbraucher
Industrieporzellan hätte nicht nur den Vorteil, billiger als Zink und Kupfer zu sein, sondern könnte, mit einer Metalllegierung versehen, sogar einen Identifikationschip beherbergen. Sofern die Verbraucher allerdings mitspielen.
Denn viele Menschen glauben, dass der US-Dollar immer noch eine Art Edelmetallstandard darstellt, wie Rod Gillis, Experte der American Numismatic Association, erläutert. Mehrere Organisationen verteidigen mit Zähnen und Klauen den Metallgehalt der Cent-Münzen.
So hat bereits Ute Wartenberg Kagan, Direktorin der American Numismatic Society, vor einer Umstellung der Produktion gewarnt. Und als gebürtige Deutsche an die DDR-Zeiten erinnert, als man Aluminiummünzen geprägt hatte: "Kann sich ein Land wie die USA so ein Spielzeuggeld leisten?", stellt Kagan die Frage? Die Antwort darauf muss Obamas Regierung geben - und die Verbraucher.
(mei)
