Eisernes Sparprogramm spaltet Spanier:
Iberisches Land ist vor einer Zerreißprobe
- Regierungschef Zapatero will 15 Milliarden einsparen
- Gewerkschaften proben dagegen offenen Aufstand

·"Die schwerste Krise
seit dem 2. Weltkrieg"
EZB-Präsident fordert mehr staatliche Kontrolle
·Europa ärmer dran
als bisher befürchtet
Wifo: Nicht nur Budget-, auch Wachstumsproblem
·Euro-Rettungsschirm nur vorläufige Lösung
Merkel: "Problem bei
der Wurzel anpacken"
"Lasst die Reichen für die Krise zahlen!", fordern Tausende Menschen, die am Sonntag die Straßen von Madrid bevölkerten. "Wir werden uns zusammenschließen, um einen gemeinsamen Akt des Protestes zu begehen", tönt es währenddessen aus der Gewerkschaftszentrale Spaniens. Zwei Wege, ein Ziel: Der Sturz gegen den rigiden Sparkurs, der das iberische Land retten soll - und es doch vor eine Zerreißprobe stellt.
Spaniens Premierminister Jose Zapatero ist nicht zu beneiden. Weil sein Land, das noch vor drei Jahren zu Europas boomenden Vorzeigenationen zählte, unter einem Schuldenberg zu ersticken droht, schwingt in Madrid inzwischen Schmalhans das Zepter. Auf Druck der EU, die ein griechisches Debakel auf der iberischen Halbinsel vermeiden will, musste Zapatero gleich mehrere milliardenschwere Sparpakete erlassen.
Und die sind alles andere als eine Lappalie: "Die harten Maßnahmen, Opfer und Anstrengungen werden dort ansetzen, wo sie schmerzen", kündigte der Regierungschef sein jüngstes 15 Milliarden Euro schweres Paket an. Wie schmerzhaft, bekommen nun allen voran die Beamten zu spüren: 30 bis 220 Euro werden sie schon ab Sommer weniger in der Geldbörse haben - weil der Staat bei diesen 2,8 Millionen Staatsbediensteten fünf Prozent der Ausgaben bzw. 4 Milliarden einsparen will.
Den Gürtel enger schnallen müssen allerdings auch andere Berufsgruppen. Angefangen von der Streichung des 2.500 Euro teuren Babyschecks über einen Stopp der Pensionserhöhungen bis hin zur Einschränkung der Medikamentenausgabe - diese Sparwelle wird an keinem Spanier spurlos vorüber gehen.
Gewerkschaften proben Aufstand
Grund genug für viele Betroffene, die Barrikaden zu erklimmen. Die Gewerkschaften planen für den Juni den ersten großen Generalstreik, der das Land lahmlegen soll - pünktlich zu Beginn der Feriensaison. Gewerkschafts-Generalsekretär drohnt inzwischen unverhohlen mit harten Auseinandersetzungen, wenn Zapatero die Sparpläne durchsetzen will. "Wir werden zu einem sozialen Konflikt gedrängt.", so Cándido Méndez. Um hinzuzufügen: "Das erfordert eine entschlossene Antwort."
Das Aussehen dieser Antwort wird nicht nur über das Gelingen der Sparvorhaben entscheiden - sondern auch, ob Spanien das nächste Griechenland wird. Und damit auch die anderen Euro-Staaten vor die nächste Prüfung stellt.
(mei)
