Montag, 24. Mai 2010

Tschechien setzt sich Eishockey-Krone auf:
Favorit Russland wird im WM-Finale besiegt

  • Truppe um Altstar Jagr gewinnt überraschend 2:1
  • Für Deutschland reicht es bei Heim-WM nur für Blech

Tschechien hat den Erzrivalen Russland vom Eishockey-Thron gestoßen und wie vor neun Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland triumphiert. Die Tschechen um Altstar Jaromir Jagr siegten in Köln im Endspiel 2:1 (1:0,1:0,0:1) gegen den Rekordchampion und Weltmeister der vergangenen beiden Jahre. Während die Russen ihren 26. Erfolg verpassten, holten die zuletzt vor fünf Jahren erfolgreichen Tschechen ihren zwölften Titel. Schon 2005 war Jagr in Wien dabei, Trainer Vladimir Ruzicka stand auch damals der Bande und hört erneut als Weltmeister auf.

Die Tschechen gingen bereits nach 20 Sekunden durch Jakub Klepis in Führung, Tomas Rolinek (39.) besiegelte mit einem regulären Schlittschuh-Tor die erste russische Niederlage nach 27 WM-Siegen in Folge. Der Anschluss von Pawel Dazjuk (60.) kam zu spät.

Vor den Augen des extra angereisten tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus begann die Partie mit einem Paukenschlag. Der 38-jährige Jagr setzte beim ersten Angriff mustergültig Klepis in Szene, der zum Entsetzen der vieler russischer Fans unter den 19.132 Zuschauern einschoss. Torschütze und Vorbereiter spielen in Russland zusammen für Avangard Omsk.

Jagr hatte nach dem schwachen Turnierstart und Kritik aus der Heimat vor dem Endspiel noch einmal betont: "Kaum einer hatte damit gerechnet, dass wir das Viertelfinale erreichen. Viele haben sogar schon von einer Schande gesprochen. Jetzt spielen wir um Gold. Ich spüre längst keinen Druck mehr hier. Wir werden frei aufspielen."

Pech für den Favoriten
Die Russen mussten dagegen wie beim 1:2 gegen Deutschland im Halbfinale einem Rückstand nachlaufen und hatten dabei offenbar Kraft gelassen. Allerdings hatte der Favorit auch Pech: Sergej Fjodorow scheiterte am Pfosten, Maxim Afinogenow am toll reagierenden Torhüter Tomas Vokoun, der 2005 ebenfalls Rückhalt des Weltmeister-Teams war. Dazjuk, gegen Deutschland Siegtorschütze, brachte den Puck zwar im Netz unter - allerdings knapp nach dem Ertönen der Sirene vor der ersten Drittelpause.

Mehr Glück hatten die Tschechen: Bei einem ihrer gefährlichen Konter sorgten erneut zwei Russland-Legionäre für das zweite Tor: Kapitän Rolinek bekam einen Pass von Karel Rachunek unabsichtlich an den Schlittschuh, von dort segelte die Scheibe ins Netz. Zuvor hatten sich die russischen Stars Alexander Owetschkin und Fjodorow gegenseitig umgefahren. Einige Checks der Russen sorgten im letzten Drittel für Aufregung. Jagr wurde nach einer Attacke von Alexej Jemelin auf die Bank geführt, der Sünder musste zehn Minuten vor Schluss duschen gehen. Die Tschechen brachten den Erfolg danach trotz Unterzahl und des Gegentores von Dazjuk nach Hause.

Bronze an Schweden
Schweden hat zuvor das kleine Finale der Eishockey-WM gegen Gastgeber Deutschland vor 15.900 Zuschauern in Köln mit 3:1 (1:0,0:1,2:0) gewonnen und sich die Bronzemedaille gesichert. Der achtfache Weltmeister aus Skandinavien wiederholte damit seinen dritten Platz vom Vorjahr.

Nur 20 Stunden nach dem starken, aber am Ende erfolglosen Auftritt gegen Titelverteidiger Russland musste das deutsche Team früh einem Rückstand hinterherlaufen. Magnus Pääjärvi Svensson überwand nach drei Minuten den ins Tor zurückgekehrten Dennis Endras. Alexander Barta (37.) glich aus, doch Jonas Andersson (44.) traf aus spitzem Winkel gegen den unglücklichen Endras. Mit einem Schuss ins leere Tor (60.) verhalf erneut Andersson Schweden nach der Penalty-Pleite gegen Tschechien wie im Vorjahr zum dritten Platz. Schwedens Trainer Bengt-Ake Gustafsson verabschiedete sich so versöhnlich vom Drei-Kronen-Team.

Für die Deutschen blieb der Trost, das beste Turnier seit Olympia-Bronze 1976 gespielt und das stärksten WM-Abschneiden seit Platz zwei 1953 abgeliefert zu haben.

(apa/red)

24.5.2010 08:28