Dienstag, 25. Mai 2010

Südtirol trauert um Silvius Magnago:
Altlandeshauptmann stirbt mit 96 Jahren

  • Ehemaliger Politiker zuletzt in kritischem Zustand
  • Magnago gilt als "Vater der Südtiroler Autonomie"

Südtirols Alt-Landeshauptmann Silvius Magnago ist tot. Der 96-Jährige starb im Bozner Krankenhaus, wo er sich seit drei Tagen in kritischem Zustand befunden hatte. Magnago war am Freitag eingeliefert worden, nachdem er aus dem Rollstuhl gestürzt war und sich das Schlüsselbein gebrochen hatte. Das Ableben des "Vaters der Südtirol-Autonomie" sorgte für große Betroffenheit und Trauer.

In der Nacht auf Pfingstsonntag hatte sich Magnagos Zustand verschlechtert. Betroffen waren nach Auskunft der Ärzte sowohl die Atem- als auch Herzfunktionen. Die Mediziner hatten von einer "sehr kritischen" Situation gesprochen. In Absprache mit den Angehörigen war Magnago nicht von der Abteilung für Innere Medizin auf die Intensivstation verlegt worden.

Vater der Südtiroler Autonomie
Der Altlandeshauptmann feierte am 5. Februar seinen 96. Geburtstag. Er wird auch oft als "Vater der Südtiroler Autonomie" bezeichnet. Der promovierte Jurist begann seine politische Karriere 1947 bei der Südtiroler Volkspartei und prägte die Partei 34 Jahre lang als deren Obmann. Von 1960 bis 1989 lenkte er die Geschicke Südtirols als Landeshauptmann.

SVP-Parteiobmann, Landesrat Richard Theiner, und Landeshauptmann Luis Durnwalder würdigte die Verdienste Magnagos. "Silvius Magnago war Südtirol", sagte Durnwalder. Magnago sei es zu verdanken, dass Südtirols Autonomie sich unter schwierigsten Vorzeichen zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt habe. Außerdem sei diese Erfolgsgeschichte von Anfang an friedlich verlaufen, extreme und gewaltbereite Kräfte auf allen Seiten hätten nie die Überhand gewinnen können, betonte Durnwalder.

Platter: "Einer der Größten"
"Tirol trauert um einen seiner Größten", erklärte im Namen Österreichs der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. "Tirol verliert eine seiner größten Persönlichkeiten. Die Lücke, die sein Ableben reißt, wird nicht zu füllen sein", hieß es in der Erklärung Platters. Auch Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich tief betroffen. Südtirol verliere einen "höchst verdienten Politiker". ÖVP-Chef Josef Pröll würdigte Magnago als "großen Politiker, der Zeit seines Lebens das Einende vor das Trennende gestellt hat".

Kritische Stimmen kamen von der Vereinigung der ehemaligen Südtirol-Aktivisten, des Heimatbundes. Sie würden das Lebenswerk Magnagos anerkennen, "aber nur als eine Zwischenlösung auf dem Weg in die Freiheit, die zum jetzigen Zeitpunkt aber ausgedient hat", hieß es in der Erklärung des Heimatbundes.

(apa/red)

25.5.2010 11:00