Freitag, 21. Mai 2010

Spionageboss Blair hat genug vom Job: US-
Geheimdienstchef tritt überraschend zurück

  • Obama verliert seinen wichtigsten Sicherheitsberater
  • Persönliche Animositäten als Grund für den Rücktritt?

Der Chef der 16 US-Geheimdienstbehörden, Dennis Blair, hat überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Er habe US-Präsident Obama davon unterrichtet, mit 28. Mai aus dem Amt scheiden zu wollen, hieß es in einer kurzen Mitteilung Blairs an seine Mitarbeiter. Gründe für seinen Entschluss nannte er nicht. Blair ist Spitzenberater Obamas in Geheimdienstfragen.

Die Position des Nationalen Geheimdienstdirektors, wie das Amt offiziell heißt, war erst vor fünf Jahren als Konsequenz aus den Terroranschlägen vom 11. September 2001 geschaffen worden. Spekulationen gab es über die Gründe für den Rücktritt. So soll es persönliche Animositäten zu CIA-Chef Leon Panetta gegeben haben. Außerdem waren Blair und die Geheimdienste erst jüngst wieder in die Kritik geraten, als sie von dem vereitelten Bombenanschlag am New Yorker Times Square am Abend des 1. Mai offensichtlich überrascht wurden.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Ausschuss des US-Senats außerdem Systemfehler der Dienste im Vorfeld des ebenfalls vereitelten Anschlags auf ein US-Passagierflugzeug über Detroit am Weihnachtstag vergangenen Jahres ausgemacht. Obwohl verschiedenen Geheimdiensten Hinweise vorlagen, hatte es ein junger Nigerianer mit einem in seiner Unterwäsche versteckten Sprengsatz in die Maschine geschafft.

Blair, ein Admiral im Ruhestand, war bereits der dritte Nationale Geheimdienstdirektor. Die verschiedenen US-Geheimdienste zu koordinieren und sie dazu zu bringen, Informationen auszutauschen, sei eine Herausforderung, gestand er einmal ein. Es gebe noch immer "bestehende institutionelle und technologische Hürden, die einen reibungslosen Informationsaustausch verhindern", hatte er nach dem Senatsbericht zum sogenannten Unterhosenbomber von Detroit gesagt.
(apa/red)

21.5.2010 08:18