Beatrix Karls Vorstoß zur Gesamtschule:
ÖVP sieht einen "ausgesprochenen Skandal"
- Rückendeckung erhält sie nur von steirischer ÖVP
- Schützenhöfer: "Denken wird wohl noch erlaubt sein"
Parteichef Pröll wiegelt ab: "Persönliche Meinung"
·Änderung in der
ÖVP-Bildungspolitik
"Neue Aufstiegsschulen"
statt der Hauptschulen
·Karl rückt nicht mehr
Geld für Unis heraus
Ministerin wünscht
sich Studiengebühren

Entsetzen in der ÖVP hat das Eintreten von Wissenschaftsministerin Karl für die "beste einheitliche Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen" ausgelöst. Die Diskussionen in der ÖVP über ein neues Bildungspapier könnten in die Richtung gehen, dass man ein "Gymnasium für alle" ermögliche, so Karl, die darauf mehrere Ordnungsrufe aus ihrer Partei erhielt. Rückendeckung erhielt sie vom steirischen Landeshauptmannstellvertreter Schützenhöfer. Er meinte knapp: "Denken wird wohl noch erlaubt sein." Glücklich über den Vorschlag zeigte sich die SPÖ.
ÖVP-Chef Pröll bezeichnete Karls Vorstoß als "persönliche Meinung" der Wissenschaftsministerin. Diese werde "eingebaut in die Diskussion in der ÖVP über ein neues Bildungskonzept, die nicht zu Ende ist, die läuft". Karls Aussagen seien "kein Schwenk in Richtung Gesamtschule, definitiv nicht". Auch Karls Nachfolger als ÖAAB-Generalsekretär, Lukas Mandl, sprach von einer "krassen und isolierten Einzelmeinung".
"Ausgesprochener Skandal"
Am deutlichsten wurden die ÖVP-Lehrergewerkschafter: AHS-Vertreterin Eva Scholik empfahl Karl zu schweigen, Pflichtschullehrer-Vertreter Walter Riegler nannte es einen "ausgesprochenen Skandal", dass eine "Einzelperson" versuche, die Parteilinie zu präjudizieren.
Karl selbst zog nach der Kritik nicht zurück, sondern lobte das "breite Meinungsspektrum" in der ÖVP. Sie sei beauftragt worden, die unterschiedlichen Bildungskonzepte in der Partei zu koordinieren - und sei von Pröll "nicht zurückgepfiffen" worden.
Rückendeckung aus der Steiermark
Rückendeckung erhielt Karl von der steirischen ÖVP. Landeshauptmannstellvertreter Schützenhöfer erklärte, dass die Schule in Österreich momentan im Umbruch sei und es um die "beste Lösung für die Schüler gehe". Landesrätin Edlinger-Ploder versteht die Aufregung um den Vorstoß nicht. Sie spreche sich nach wie vor für eine Gesamtschule der fünf-bis 15-Jährigen aus.
In der SPÖ ist man darüber geschlossen aus dem Häuschen: Unterrichtsministerin Schmied will nun noch in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung über die künftige Schulform bei den Zehn- bis 14-Jährigen, Bundesgeschäftsführerin Rudas begrüßte die ÖVP in der "Bildungspolitik des 21. Jahrhunderts".
"Gesamtschul-Virus"
FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz äußerte den Verdacht, dass Karl vom "Gesamtschul-Virus" befallen sei. BZÖ-Bildungssprecherin Haubner empfahl Karl, sie solle "ihre Phantasie in ihrem Ressort spielen lassen und dort für eine Steigerung des Wissenschaftsbudgets sorgen", ihr Grünen-Pendant Walser äußerte die Hoffnung, dass der "Bildungs-Beton" der ÖVP bröckeln könnte.
(apa/red)
