Montag, 17. Mai 2010

Änderung in der ÖVP-Bildungspolitik: Die
'neue Aufstiegsschule' statt der Hauptschule

  • Arbeitnehmerbund ÖAAB legt Bildungskonzept vor
  • Spindelegger hält Begriff der Gesamtschule für falsch

Eine "Wende in der ÖVP-Bildungspolitik" soll das neue Bildungskonzept des ÖVP-Arbeitnehmerbundes ÖAAB bringen. Zwar wird darin am differenzierten Schulsystem festgehalten, der Wechsel zwischen AHS und Hauptschule soll aber durchlässiger gestaltet werden. ÖAAB-Chef Spindelegger forderte die SPÖ auf, sich "ebenfalls stark zu bewegen" und ein eigenes Konzept vorzulegen.

Die wesentlichen Themen des den Schulbereich umfassenden Bildungskonzepts seien mit Vizekanzler Pröll besprochen, betonte Spindelegger. Er nehme an, dass es in den nächsten Monaten einen offiziellen ÖVP-Kurs gebe. Gleiches solle nun die SPÖ erarbeiten. Anschließend könne dann ein bildungspolitischer Dialog zwischen den Koalitionspartnern stattfinden, der auf ÖVP-Seite von Wissenschaftsministerin Karl geführt werden soll.

Als Eckpfeiler des neuen Konzepts nannte Spindelegger die sprachliche Frühförderung, die stärkere Durchlässigkeit zwischen AHS und Hauptschule ("die neue Aufstiegsschule"), den Ausbau der Nachmittagsbetreuung, eine neue Lehrerausbildung sowie die Einrichtung von "Begabtenklassen" in jedem Bundesland. Jedes Kind soll in Form eines verpflichtenden Ganztagsunterrichts Sprachförderung erhalten, bis es in der Lage ist, dem Regelunterricht zu folgen. Wer dies ablehnt, dem sollen Sozialleistungen gestrichen werden.

"Up-Grading" für Hauptschulen
Eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen hält Spindelegger für "falsch", den Begriff "Gesamtschule" will er überhaupt hinter sich lassen. Stattdessen sollen die Hauptschulen ein "Up-Grading" erfahren und zu "neuen Aufstiegsschulen" werden. Sie sollen bedarfsorientiert zusätzlich Sprachen anbieten.

Sowohl Freude als auch Enttäuschung hat das neue ÖAAB-Bildungskonzept bei Unterrichtsministerin Schmied ausgelöst. Einerseits sei es eine "große Freude, dass die ÖVP bildungspolitisch endlich ein Lebenszeichen gibt", so Schmied. "Schade" findet es Schmied, dass sich die "fortschrittlichen Kräfte" bei der gemeinsamen Schule noch nicht durchgesetzt haben.

(apa/red)

17.5.2010 14:29
Sensor, 18. 05. '10 09:09
Die Schulen als Spielwiesen für Bildungs-Dilettanten!
Will der Spindelegger die Gehrer untertreffen?
Schluss mit dem Theater, dass inkompetente Gschaftlhuber am Bildungssystem herumbasteln und mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Die Österreicher haben Anspruch darauf, dass ihre Agenden von tüchtigen, kompetenten Leuten vertreten werden und nicht von aufgeblasenen Wichtigtuern, die sich von lächerlichen Parteihausmeistern steuern lassen.
sidestep, 18. 05. '10 08:05
Es darf nicht sein!
Die ÖVP hat bereits erkannt, dass der von den Roten vorgeschlagene Weg der gemeinsamen Mittelschule ein guter Weg ist. Da es aber nicht sein darf, dass den Roten nach 100 Jahren Schrumpfpolitik auch etwas Gutes eingefallen ist, versuchen die Schwarzen krampfhaft etwas zu erfinden, das gleich funktioniert als das,was die Roten vorgeschlagen haben, aber das einen anderen Namen hat und damit aus den leeren Gehirnen der Schwarzen entsprungen ist. Das nenne ich schlechte Politikzu Lasten unserer Kinder.
mr.sauer, 18. 05. '10 16:08
Re: Es darf nicht sein!
Oft einer Meinung, muss ich Ihnen hier widersprechen. Erstens eine Gesamtschule würde definitiv das ohnehin schwache Niveau weiter senken. Zweitens wären die Eltern die Ersten, die ein solches Modell bei genauerer Betrachtung ablehnen würden.
sidestep, 18. 05. '10 17:41
Re: Es darf nicht sein!
Ebenfalls oft einer Meinung erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass es in den skandinavischen Ländern das Model der Gesamtschule für die 10 bis 14 jährigen Kinder bereits gibt. Was die Pisastudie über diese Länder aussagt, brauche ich hier nicht anzuführen
mr.sauer, 18. 05. '10 22:06
Re: Es darf nicht sein!
Es stimmt dass die skandinavischen Länder bei Pisa (das ist aber auch nicht das Non Plus Ultra) besser abschneiden. Einerseits liegen die Ursachen bei der Population (und Ausländeranteil) der Schüler, und andererseits, und das ist mein Hauptargument an den räumlichen Ressourcen, von denen jede österreichische Schule (inclusive AHS) nur traümen kann. (So manches HS Gebäude erinnert eher an Zustände in Usbekistan). Außerdem sei hinterfragt wieso Pisa - Paradeland Finnland einer der höchsten Jugendarbeitslosigkeitrate innerhalb der EU hat. Dazu kommt, ein österreichisches Problem, eine organisatorisch kaum bewältigbare Hürde. Im Prinzip sind dann alle Schulen gleichwertig. Wer bestimmt wer in dem besser ausgerüsteten AHS Gebäude und wer im alten katastrophalen HS Gebäude unterrichtet wird?
mr.sauer, 17. 05. '10 18:24
Bravo
Ein weiterer ahnungsloser selbsternannter Bildungsexperte meldet sich zu Wort. Nach der Hauptschule kam die Neue Hauptschule mit Leistungsfächern, anschließend wurde Teamteaching modern, alternativ zu Kleinklassen, weiter gings mit der Kooperativen Mittelschule mit deren Nachfolger der Neuen Mittelschule, so haben wir dann halt künftig die neue Aufstiegsschule (gepaart oder auch nicht mit Ganztagsbetreuung) In Wirklichkeit ließen alle Bildungspolitiker die gute alte Hauptschule zu einer Sonderschule mit hohem Ausländeranteil verkommen (ich spreche ausschließlich von Wien, und da vom 10, 11, 12, 14, 15, 16 und 20.Bezirk). Die von der BM angestrebten Bildungsstandards werden in diesen Schulen nicht knapp sondern um Lichtjahre verfehlt werden. Man sollte mal auf die Basis hören.