Montag, 14. Juni 2010

Polizei muss im Fall Kührer wieder bei Null starten: "Wissen nicht, wonach wir suchen"

  • BK-Leiter Geiger: 207 Hinweisen nachgegangen
  • Enthaftungen: Verdacht hat sich nicht "erhärtet"

Zurück an den Start heißt es für die Ermittler des Bundeskriminalamts (BK) nach der Enthaftung dreier Verdächtiger im Fall der seit Juni 2006 abgängigen Niederösterreicherin Julia Kührer. Ernst Geiger, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Allgemeine und Organisierte Kriminalität im BK, sagte vor Journalisten: "Wir wissen bis jetzt nicht, wonach wir suchen."

Die damals 16-jährige Julia Kührer wurde zuletzt am 27. Juni 2006 beim Aussteigen aus einem Linienbus von Horn kommend auf dem Hauptplatz ihrer Heimatgemeinde Pulkau gesehen. Seither wird nach ihr gesucht. Am 20. Jänner dieses Jahres haben Cold Case-Ermittler des Bundeskriminalamtes den Fall vom bisher federführenden Landeskriminalamt Niederösterreich übernommen. Das Landeskriminalamt habe keine Fehler gemacht, mit Ausnahme des Umstandes, dass der Fall nicht gelöst worden sei, sagte Geiger.

207 Hinweisen nachgegangen
"Suchen wir einen Mörder? Wenn ja, was für ein Mordfall ist es? Eine Beziehungstat? Ein Sexualdelikt? Handelt es sich um einen Drogentod? War es ein Unfall mit Beseitigung der Leiche? Oder war es ein Abhauen?" umriss Geiger die Fragen, die sich vor den Ermittlern auftun. Seit 20. Jänner wurden 58 Zeugen durchschnittlich sechs Stunden befragt, 207 Hinweisen nachgegangen.

Verdacht hat sich nicht erhärtet
Die Festnahme der drei 21, 26 und 27 Jahre alten Verdächtigen hatte mit der These des Drogenmissbrauchs zu tun. "Da hätte vieles gut gepasst", so der Kriminalist. Sie hätte die Jugendlichen getroffen, sei mit diesen weggefahren, sie hätten Drogen konsumiert, "und dann ist was passiert". Der Schönheitsfehler: "Es gibt nichts, was dies erhärtet hätte. Es gibt für uns nichts, was darauf hindeutet, dass Julia eine süchtige 16-jährige Marihuana rauchende Jugendliche war."

Der entscheidende Hinweis auf die drei Jugendlichen kam vom Stiefsohn einer Freundin von Julias Mutter. Er sah, wie Julia mit drei ihm fremden jungen Menschen auf dem Hauptplatz in Pulkau sprach - unmittelbar nachdem sie aus dem Bus gestiegen war. Außerdem war ein dunkles silbernes Auto in der Nähe der Gruppe entgegen der Parkordnung abgestellt. Handyeinloggdaten von einem der Verdächtigen um 14.03 Uhr wenige Kilometer entfernt bzw. von Julias Handy um 14.28 Uhr in Horn führte die Exekutive zu den drei Verdächtigen. Doch mit Julias Verschwinden dürften diese nichts zu tun haben.

Auch die Angaben des Zeugen wurden überprüft. Er fuhr nach seiner Beobachtung zunächst zu einem Bankomaten und danach auf das Standesamt, um seine Vermählung anzumelden. Es gibt keinen Grund für die Ermittler, an seinen Angaben zu zweifeln.

Kaum vergleichbare Fälle
Doch es gebe noch viele offene Fragen, man sei noch nicht an einem toten Punkt. So müssen Meinungen, Fähigkeiten und Theorien verschiedenster Spezialisten zusammengeführt werden. Eines der grundlegenden Probleme im Fall Kührer ist, dass es so gut wie keine vergleichbaren Fälle gibt.

Auch dass Julia irgendwo lebt und am Samstag ihren 20. Geburtstag feiert, will man im Bundeskriminalamt nicht ausschließen. Die Hoffnung der Ermittler ruht in jedem Fall auf der Bevölkerung, die weitere Hinweise - noch mehr als bisher - liefern soll.

(apa/red)


14.6.2010 12:28
weltbürger, 20. 05. '10 09:25
und wer
bezahlt die schäden durch den ramboeinsatz?