Mittwoch, 19. Mai 2010

Mordprozess gegen Lehrer fortgesetzt: Angeklagter weist jede Schuld von sich

  • Graz: Zahlreiche Zeugen und Psychiater befragt
  • Pensionist 2003 erstochen, Türke für Mord verurteilt

Im Grazer Straflandesgericht ist der Geschworenenprozess gegen einen Grazer Lehrer fortgesetzt worden. Der Pädagoge wird beschuldigt, 2003 einen Pensionisten durch Messerstiche getötet zu haben. In einem ersten Verfahren wurde vor sechs Jahren dafür ein Türke schuldig gesprochen, der aber später den Lehrer beschuldigte. Der Gerichtspsychiater bezeichnete den Angeklagten als "sanft und introvertiert."

Der erste Verhandlungstag war der Vernehmung des Beschuldigten gewidmet, der ausführlich seine Bekanntschaft zu dem ursprünglich verurteilten und mittlerweile verstorbenen Türken schilderte. Der zweite Tag brachte eine Fülle von Zeugen, von denen die meisten von der Verteidigung geladen waren und erklärten, dass der Angeklagte vielen Glaubensbrüdern und -schwestern der Zeugen Jehovas Geld gegeben hatte, ohne es zurückzufordern. Allerdings hatte er keinem auch nur annähernd so viel bezahlt wie dem jungen Türken, der sich nach dem Mord schuldig bekannt hatte. Ihm wurden vom Beschuldigten insgesamt rund 54.000 Euro überwiesen.

Lehrer weist Vorwürfe zurück
Ein Zeuge, der in der Strafanstalt Karlau beschäftigt ist, wurde zu den häufigen Besuchen - es sollen allein von 2007 bis 2009 rund 200 gewesen sein - des Lehrers bei seinem "Schützling" befragt. "Diese Frequenz ist eine Besonderheit", antwortete der Mann. Der Beschuldigte erklärte die häufigen Besuche damit, dass er mit seinem Bekannten die Bibel studierte und ihm einfach helfen wollte. Dass der andere für ihn die Tat auf sich genommen habe, wies der Pädagoge entschieden von sich.

Eine weitere Zeugin gab an, mit dem Angeklagten befreundet zu sein, aber auch den jungen Türken gut gekannt zu haben. Dieser rief sie 2009 aus der Haft an uns soll gesagt haben: "Der Lehrer war's". Sie habe ihm aber nicht geglaubt: "Ich habe gedacht, er ist übergeschnappt von zu lange im Gefängnis sein", so die Frau.

Psychiater: Angeklagter ist "sanft und introvertiert"
Der psychiatrische Sachverständige bezeichnete den Beschuldigten als "sanften, introvertierten, nicht impulsiv handelnden Menschen", der allerdings ein "Sonderling" sei mit "Neigung zum Einzelgängertum." Zum Tatzeitpunkt sei der Angeklagte zurechnungsfähig gewesen, so Haller.

(apa/red)

19.5.2010 17:00