Dienstag, 11. Mai 2010

Wie gefährlich Knock-out-Tropfen wirklich sind: "Natürlich kann es auch tödlich sein"

  • Experte: Täter holen sich Mittel übers Internet
  • "Man weiß nie genau, was verabreicht wurde"

Gefährliche Substanz als Trend: Immer häufiger kommen sie zum Einsatz, die sogannnten K.o-Tropfen. Die Tropfen setzen die ahnunglosen Opfer schon nach kurzer Zeit außer Gefecht. Doch wie gefährlich ist das Knock-out-Mittel wirklich und wie gelingt es den Tätern an diese Substanzen zu kommen? Herbert Wicho von der Pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer gibt gegenüber NEWS.at Auskunft zu diesen Fragen.

NEWS.at: Wie wirken sich die K.o-Tropfen auf den Körper aus?
Herbert Wicho: "So wie der Name schon sagt, verliert man das Bewusstsein. Es kommt natürlich auch darauf an, wieviel davon konsumiert wird. Dazu kommt, das jeder darauf ein bisschen anders reagiert. Manche vertragen mehr, manche weniger. Es sind sehr starke Mittel, die auch als Schlafmittel verwendet werden und bis zur Bewusstlosigkeit führen."

NEWS.at: Welche Stoffe beinhalten K.o.-Tropfen eigentlich?
Wicho: "Das ist schwer zu sagen, denn meistens handelt es sich dabei um Gemische. Im Prinzip werden vor allem Benzodiazepine (Tranquilizer Anm. der Red.) verwendet, die dann auch vermengt werden mit beispielsweise Liquid Ecstasy."

NEWS.at: Welche Menge ist nötig, um betäubt zu werden?
Wicho: "Das kommt auf die Konzentration des Mittels in den Tropfen an. Wenn man eine sehr hohe Konzentration hat, kann auch ein Tropfen genügen. Man weiß eben nicht, wie der Täter es zusammengemischt hat und welche Dosierungen enthalten sind."

NEWS.at: Führen K.o.-Tropfen wirklich zum Gedächtnisverlust?
Wicho: "Ja. Die Leute haben Gedächtnislücken. Oft sind jene Leute betroffen, die vorher noch nie so etwas eingenommen haben. Jemand, der zum Beispiel regelmäßig ein Schlafmittel nimmt und K.o.-Tropfen verabreicht bekommt, wird anders darauf reagieren als jemand, der noch nie solche Mittel genommen hat. Das ist eben das Problem."

NEWS.at: Wie kann dem Opfer nach der Einnahme geholfen werden?
Wicho: "Natürlich gibt es auch Gegenmittel, aber in erster Linie muss man den Patienten beobachten und aufpassen, dass sich der Zustand nicht verschlechtert. Wenn man den Zustand rechtzeitig erkennt, besteht auch die Möglichkeit den Magen auszupumpen. Das Schwierige bei diesen Überdosierungen ist, dass man nie genau weiß, was verabreicht wurde. Im Prinzip bleibt daher nur die Überwachung auf einer Intensivstation."

NEWS.at: Wie gefährlich sind die Knock-out-Tropfen?
Wicho: "Natürlich kann es auch tödlich sein. Das ist immer eine Frage der Dosierung. Manche Menschen reagieren auf diese Mittel sehr heftig, vor allem wenn die K.o.-Tropfen mit Alkohol vermischt werden. Das führt unter Umständen zu nicht vorhersehbaren Reaktionen. Wenn jemand zu viel verabreicht bekommt, kann es auch tödlich enden. Außerdem dosieren die Täter nach Gutdünken und denen ist es ziemlich egal, was sie da dosieren. "

NEWS.at: Wie leicht gelangen Täter an solche Substanzen?
Wicho: "Üblicherweise bekommt man die Substanzen nicht in der Apotheke, sondern im Internet. Das ist das große Problem. Weil der Zoll auch nicht alles überwachen kann, werden diese Mittel oft sogar nach Hause geschickt. Heutzutage kann man mit Hilfe des Computers jedes Rezepte fälschen. Also diese Leute, die das brauchen und wollen, haben sicher kein Problem das zu bekommen."

(pc)

Mehr zum Thema Knock-out-Tropfen und was die Polizei zur zunehmenden Gefahr sagt, lesen Sie im NEWS 19/10!

11.5.2010 16:47