"Die schwerste Krise seit dem 2. Weltkrieg":
EZB-Präsident fordert wirksame Sanktionen
- Euro: Will "Quantensprung" in staatlicher Kontrolle
- Trichet versucht die Inflationsängste zu zerstreuen
·Europa ärmer dran
als bisher befürchtet
Wifo: Nicht nur Budget-, auch Wachstumsproblem
·Euro-Rettungsschirm nur vorläufige Lösung
Merkel: "Problem bei
der Wurzel anpacken"

Europas Finanzmärkte stecken nach Einschätzung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in einer dramatischen Krise - jetzt fordert er einen "Quantensprung" in der staatlichen Kontrolle. Nötig seien "wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt", sagte Trichet dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er fordert eine bessere Überwachung der Wirtschaftspolitik in Europa.
"Zweifelsohne" befinde man sich immer noch "in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten", sagte er. "Wir erlebten und erleben wirklich dramatische Zeiten. Wir brauchen verbesserte Strukturen, um Fehlverhalten vorzubeugen und zu sanktionieren", so Trichet weiter. Dazu gehörten die effektive Umsetzung gegenseitiger Kontrolle und wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt.
Trichet betonte, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer jüngsten Entscheidung Staatsanleihen zu kaufen, völlig unabhängig gehandelt habe. Der Eindruck, dass die EZB von den Regierungschefs zum Handeln gedrängt wurde, sei "Unsinn". Die Zentralbank höre nicht auf die "Empfehlungen" der Regierungen, Märkte und Tarifparteien.
Der EZB-Präsident ist außerdem darum bemüht, den Bürgern des Euro-Raums nach dem Eingreifen der Europäischen Zentralbank in die Schuldenkrise Inflationsängste zu nehmen. Die Zentralbank habe ihre Grundsätze nicht aufgegeben, vorrangige Aufgabe der Währungshüter bleibe die Preisstabilität, sagte Trichet. "Diejenigen, die glauben - oder schlimmer noch: suggerieren -, dass wir Inflation künftig tolerieren werden, unterliegen einem schwerwiegenden Irrtum."
(apa/red)
