Vereint hinter Griechenland: Österreicher
unterstützten die Milliardenhilfe für Athen
- Vier von fünf Befragten akzeptieren Rettungspaket
- Banken für Finanzdebakel verantwortlich gemacht

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griechischen Patienten
Die Krankenakte eines
dahinsiechenden Landes
·Brüssel packt die
Milliardenkeule aus
BILDER: Europas Antwort
auf griechische Tragödie
Griechenland ruft um Hilfe - und Österreich steht dem Euro-Partner bei. Dass Prölls Zusage zum europäischen Hilfspaket für Athen einiges kosten wird, beeindruckt die Österreicher nicht: Vier von fünf Befragten unterstützten laut einer Umfrage die Rettungsaktion für das schwer verschuldete Griechenland. Denn Schuld für die Misere, so glauben die Österreicher, haben nur zum Teil die Griechen selbst - vor allem aber werden die Banken dafür verantwortlich gemacht.
"Europa kann nicht funktionieren ohne Verantwortung und Solidarität", betonte der frühere spanische Ministerpräsident Felipe Gonzalez kürzlich. Solidarität, die sich Europa einiges kosten lässt: 5,5 Milliarden Euro bewegen sich in diesen Stunden in Richtung Griechenland. Und das ist erst der Anfang. In den nächsten Tagen werden weitere 15 Milliarden folgen, bis Jahresende sollen insgesamt 45 Milliarden auf griechischen Konten landen. Im Vergleich zum europäischen Stabilisierungspaket ist sogar das nur Kinderkram: Um den Euro zu retten, übernehmen die europäischen Staaten Haftungen über bis zu 500 Milliarden Euro.
Unfassbare Summen wurden in den letzten Wochen genannt, verworfen, beschlossen. Und immer mit österreichischer Beteiligung. Denn Pröll sagt nicht nur einen Kredit über 2,3 Milliarden Euro an Athen zu, er will bis zu 12,5 Milliarden an Bürgschaften übernehmen. Eine noble Hilfsleistung, die Herr und Frau Österreicher mit Stolz erfüllt: Bei einer Umfrage des Klagenfurter Humaninstitutes sprechen sich ganze 81 Prozent für österreichische Hilfsleistungen an den südeuropäischen Staat aus.
Denn die Schuldigen sind für viele Österreicher nicht die Griechen selbst - sie misstrauen vor allem den Banken: 57 Prozent aller Befragten glauben, dass die Finanzinstitute mit ihren Spekulationen und Wetten für das griechische Schlamassel die Hauptschuld tragen.
Banken zittern um ihre Investitionen
Immerhin sind es gerade die heimischen Banken, die eine Beteiligung Österreichs am Griechenlandfonds unerlässlich machen. Knappe 5 Milliarden Euro beträgt die Summe, die heimische Finanzinstitute in ihre Engagements in Griechenland investiert haben und die bei einem Bankrott Athens schwerwiegend zu Buche schlagen würde: Neue staatliche Hilfsgelder an die heimischen Banken wären nicht mehr vermeidbar. So erklärt auch Finanzstaatssekretär Lopatka: "Was die Regierung an Hilfen und Haftungen gegeben hat, war natürlich auch im Interesse der Banken."
Demos und Streiks geplant
Immerhin gibt sich der griechische Staat Mühe, das in das Land gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen: Der griechische Finanzminister Papakonstantinou hat persönlich Verantwortung übernommen: "Wenn wir weitere Maßnahmen treffen müssen, würde dies bedeuten, dass ich gescheitert bin. Dann werde ich zurücktreten."
Und gleichzeitig werden neue Einsparungen angekündigt: Diesmal geht es Renten-, Pensions- und Krankenkassen an die Geldbörse. So erleichtert die europäischen Geldgeber auch dieses neue Sparvorhaben begrüßen, so erbittert wollen Gewerkschaften gegen die "Solidaritätsabzüge" kämpfen. Und darin sind sie sich mit den Österreichern einig: Schuld an der Misere sollen nicht die Griechen haben - sondern die Finanzmärkte.
(red)
