Dienstag, 11. Mai 2010

Beim Schädigen top, beim Zahlen nicht:
Regierungsspitze hat Finanzmärkte im Visier

  • Finanztransaktionssteuer und Regulierung gefordert
  • Pröll: Entscheidungsstrukturen der EU optimierbar

Die Regierungsspitze pochte heute im Zusammenhang mit dem Milliarden-Haftungsschirm für den Euro auf begleitende Maßnahmen. Bundeskanzler Faymann meinte nach dem Ministerrat, er erachte das Löschen eines Problems nicht als Lösung des Problems. Die Finanzmärkte hätten sich weit von der Realwirtschaft entfernt und seien beim "Schaden anrichten" vorne dabei, beim Zahlen allerdings nicht. Daher sei die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer und Reglementierungen richtig. Finanzminister Pröll erklärte ebenfalls, dass sich Österreich "massiv" einbringen werde, wenn es um die Regulierung der Finanzmärkte gehe.

Auf eine entsprechende Frage räumte Pröll ein, dass es nicht möglich gewesen sei, etwa eine Transaktionssteuer bereits am Wochenende im Zuge des Haftungsschirms zu beschließen. Bei dem Treffen der Finanzminister habe es aber einen Verweis gegeben, dass derartige begleitende Maßnahmen kommen sollen. Österreich gehöre zur "Speerspitze" in der entsprechenden Debatte, es gebe aber auch "massive Gegner", etwa den Finanzplatz London. "Ich weiß, dass es nicht an Josef Pröll gescheitert ist, dass keine Ratingagentur und Finanztransaktionssteuer eingeführt wurde", bekam der Finanzminister Schützenhilfe des Bundeskanzlers. Er glaube, dass bei den "Spielregeln", die Österreich einfordere, ohne öffentlichen Druck nichts weitergehen werde, erklärte Faymann.

Sowohl Faymann als auch Pröll betonten, dass aus der Krise die richtigen Lehren gezogen werden müssten. Die Länder hätten bei der Budgetkonsolidierung ihre Hausaufgaben zu machen, sagte Faymann. Dabei müsse man aber darauf achten, neben der Konsolidierung auch das Wirtschaftswachstum zu pflegen und nicht abzuwürgen.

Pröll: Entscheidungsstrukturen der EU optimierbar
Finanzminister Pröll will auch diskutieren, wie man in Zukunft mit den Entscheidungsstrukturen umgehen soll. Europa müsse aufpassen, dass sich die Situation vom Wochenende nicht wiederhole, also dass sich die Regierungschefs ohne nennenswerte Ergebnisse treffen und dann Tage vergehen würden, bis die Finanzminister eine Entscheidung treffen, so Pröll.

Gerade in Krisensituationen müsse man sehen, wie man eine Entscheidung herbeiführe, um den Märkten "zeitgerecht" ein Signal zu geben, dass die europäische Währungsstabilität Perspektive habe, so Pröll. Im aktuellen Fall sei sich das "gerade noch" ausgegangen. Dass das Treffen der Regierungschefs am Freitag ohne konkrete Ergebnisse verlaufen sei, liege aber nicht an Bundeskanzler Faymann, sondern an anderen Ländern, betonte Pröll. (apa/red)

11.5.2010 19:14
founder, 11. 05. '10 21:33
Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Typische Bewegung eines Gebrauchtwagenkäufers. Unauffällig aufs Auto setzen, runter, und sehen ob es schwingt. Schwingt das Auto, sind die Stoßdämpfer fällig.

Aber die Börse hat keine Stoßdämpfer. Jede kleine Unebenheit im Ablauf kann schon zum Aufschaukeln und unkontrollieren Schleudern führen.

Deswegen braucht die Börse Stoßdämpfer, eben die Transaktionssteuer.

http://politik.pege.org/2010/transaktionssteuer.htm
brabus, 11. 05. '10 18:02
Finanzmärkte im Visier
Es geschehen noch Zeichen und Wunder, unsere Politiker haben erkannt dass es so mit dem Zockertum nicht weitergehen kann - und man zumindest 'mitverdienen' will.
Weit vernünftiger wäre eine Bereinigung in der From, dass alles was mit Spekulation, negativer Auswirkung auf die Realwirtschaft und Vernichtung von Anlegerkapital zu tun hat abgeschafft wird. Finanzmärkte sind dazu dazu, die Wirtschaft zu unterstützen und nicht um sie in Krisen zu stürzen. Also weg mit dem Zockertum.
Vasant, 11. 05. '10 19:53
Re: Finanzmärkte im Visier
Und was glaubst wer nun die meiste Freude mit den
Geldern für Griechenland hat? Die Experten an der
Börse, weil die genau wussten was jetzt für Zahlungen
kommen werden und demnach wurde dort ein MEGA
Gewinn gemacht ... ich glaub die kriegen auch Bonus
Zahlungen;)

Also einerseits will man sich nun gegen Zocker stellen,
weil man jetzt erst kapiert hat, dass das Geld ja wieder
genau dort landet und andererseits sind diese Zocker
immer einen Schritt voraus und wesentlich intelligenter
als die Politiker! Ist zwar a Sauerei, aber sollte uns zu
denken geben, wo der Anfang dieser Fehler gemacht
wird;)