Euro-Stabilisierungspaket: Finanzspritze
könnte jeden EU-Bürger 1.010 Euro kosten
- Im Worst Case, falls nicht mehr gezahlt werden kann
- Athen erhält die ersten 5,5 Mio. Euro Finanzspritze
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Die riesige Summe von 500 Mrd. Euro, der europäische Anteil am Euro-Stabilisierungspaket von insgesamt 750 Mrd. Euro, steht derzeit nur auf dem Papier: Es handelt sich um Haftungen der Staaten bzw. um Kreditlinien, die nur wenn notwendig überhaupt abgerufen werden und nur im absoluten Worst Case gar nicht mehr zurückgezahlt werden. Im schlimmsten Fall würden - bei Verlust der gesamten Summe - rein rechnerisch auf jeden der insgesamt 495 Millionen Bürger der 27 EU-Staaten dann 1.010 Euro entfallen - vom Baby bis zum Senior.
Auch umgerechnet in Luxusartikel bleibt die Summe hoch: 4.350 Yachten nach Bauart des Luxusschiffs "Alexander", die der reichsten griechischen Familie Latsis gehört und auf der auch schon prominente Leute wie Prinz Charles und Ex-US-Präsident George Bush senior urlaubten. Der Urlaub von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso auf der für 150 Mio. Dollar angeschafften Luxusyacht hatte 2005 sogar zu einem Misstrauensantrag im Europaparlament geführt, der abgelehnt wurde.
Wertschöpfung gar nicht einberechnet
Und für 500 Mrd. Euro ließen sich 3,33 Millionen Sportwägen kaufen - immerhin fast jeder 150. Europäer könnte in einen Sportwagen einsteigen und losfahren, falls das Geld in Porsche 911 Turbos angelegt werden würde. Dabei ist der Effekt durch die Wertschöpfung in Europa noch gar nicht einberechnet.
Griechenland beantragt erste Tranche
Die ersten 5,5 Mrd. Euro-Finanzspritze für die Rettung Griechenlands vom Bankrott sollen jetzt überwiesen werden. Wie es aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen hieß, werden es zwei Beiträge des Internationalen Währungsfonds (IWF) sein: 3 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von 1,3 Prozent und ein zweiter Betrag in Höhe von 2,5 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von 3,30 Prozent.
Athen erwartet in den kommenden Tagen die ersten bilateralen Kredite andere Euroland-Partner in Höhe von etwa 14,5 bis 15 Mrd. Euro. Die Regierung habe die entsprechenden Anträge formell gestellt, wie es im Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgesehen ist, berichtete das Staatsradio. Die ersten Rettungs- Gelder werden am 19. Mai zur Deckung von Verpflichtungen des Landes benötigt. Athen braucht bis zu diesem Datum etwa 9 Mrd. Euro.
Bis zum Jahresende sollen insgesamt 45 Mrd. Euro nach Griechenland fließen. Das gesamte Rettungspaket von IWF und EU für Griechenland umfasst 110 Mrd. Euro.
EU verlangt Sparanstrengungen
Die EU-Kommission verlangt von hochverschuldeten Euro-Ländern stärkere Sparanstrengungen. Spanien, Portugal, Italien und Frankreich müssten Anfang kommender Woche in der Gruppe der Euro-Finanzminister neue Sparvorschläge noch für dieses Jahr vorlegen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn dem "Handelsblatt" vom Dienstag. In Deutschland gebe es dagegen keinen sofortigen Konsolidierungsbedarf. "Deutschland gehört zu den Ländern, die mehr finanzpolitischen Spielraum haben und ihre Konjunkturprogramme deshalb länger wirken lassen können", sagte Rehn. Damit helfe die Bundesrepublik dem Wirtschaftswachstum in der gesamten Euro-Zone.
Nach Vorstellung Rehns soll die Kommission künftig nicht nur die Haushalte der Mitgliedstaaten, sondern auch deren Wettbewerbsfähigkeit stärker überwachen. "Wir müssen die ökonomischen Ungleichgewichte in der Euro-Zone beseitigen", sagte er dem "Handelsblatt". Dazu könnten volkswirtschaftliche Größen wie die Leistungsbilanz, Produktivität und Lohnstückkosten regelmäßig geprüft werden. Rehn sagte, hier sei auch Deutschland in der Pflicht, mit einer Ankurbelung der Binnennachfrage seinen hohen Handelsbilanzüberschuss zu verringern.
(apa/red)
