'Sonst werden sie uns zerreißen': EU türmt
Mega-Bollwerk gegen Spekulantenmeute auf
- Rehn: "Den Euro verteidigen. Koste es, was es wolle"
- Börsen nach Zusage über 750 Mrd. im Freudentaumel

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Europa steht Gewehr bei Fuß. Um sich des Ansturms einer profithungrigen Spekulanten-Meute zu erwehren, türmen die Staaten ein gewaltiges Abwehrbollwerk in Höhe von 750 Milliarden auf. Es soll das Vertrauen der Märkte und damit das Überleben des Euro garantieren. Und Spekulanten den Appetit verderben.
"Sie sind wie ein Rudel Wölfe. Wenn wir sie nicht stoppen, werden sie die Schwächsten von uns zerreißen": Der schwedische Finanzminister Anders Borg weiß das europäische Rettungspaket für hoch verschuldete Euro-Länder bildlich zu verkaufen. Ganze 750 Milliarden Euro sollen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) bereitgestellt werden, um die spekulativen Wetten auf einen Zusammenbruch Griechenlands oder sogar Portugals und Spaniens zu verhindern.
Inzwischen hat das von diesen Wetten beflügelte Schreckgespenst von Staatspleiten den Eurokurs so stark torpediert, dass der Zusammenhalt der Währungsunion und damit das Überleben des Euro an sich gefährdet scheint. "Es gibt eine Bedrohung für die finanzielle Stabilität von Eurozone und EU. Es handelt sich nicht nur um eine Attacke auf einzelne Länder", ist Währungskommissar Olli Rehn überzeugt.
Und gibt auch gleich die Marschroute vor: "Wir werden den Euro verteidigen, koste es, was es wolle". Und es will viel kosten. Kredite in Höhe von rund 440 Milliarden Euro garantieren die Euro-Mitgliedsstaaten, davon trägt Österreich einen Haftungsrahmen von 12 bis 13 Milliarden, 60 Milliarden steuert die EU-Kommission direkt als Darlehen bei. Mit Unterstützung des IWF stehen insgesamt 750 Milliarden Euro zur Verfügung. Eine Unsumme, die signalisieren soll, dass den europäischen Pleitekandidaten auch dann noch genug Geld zur Verfügung stehen wird, wenn sie Staatsanleihen nicht mehr über den Markt verkaufen können.
Börsen im Freudentaumel
Damit sollen Spekulanten das Interesse daran verlieren, auf den Verfall von Staatsanleihen und damit den Zusammenbruch von Griechenland und Co zu wetten. Und das dürfte auf den ersten Blick ganz gut gelungen sein: Seit Beginn des Handelstages schießen die europäischen Börsen massiv in die Höhe, der europäische Bankenindex hat inzwischen um satte elf Prozent zugelegt. Und speziell die Spekulationen auf eine griechische Pleite haben im frühen Handel deutlich nachgelassen.
"Die beschlossenen Maßnahmen dürften Stabilität in den Markt bringen", weiß Postbank-Händler Ascan Iredi von der Entwicklung zu berichten. "Ob das für zehn Jahre, fünf oder nur ein Jahr hält, kann man natürlich nicht sagen", gibt Iredi allerdings zu bedenken. Dass selbst 750 Milliarden nicht genug sein könnten, um den Euro zu retten, wird nämlich vereinzelt bereits gemutmaßt. Fürs Erste hält das gigantische Bollwerk allerdings dicht.
(mei)
