Donnerstag, 13. Mai 2010

"Wenn was passiert, wäre das ein Drama":
Erste Bank für Boss Treichl too big to fail

  • Bank will Staatshilfe frühzeitig wieder zurückzahlen
  • Konzernchef spricht von "Riesen-Krise" in Europa

Die Erste Group zählt sich zu den Instituten, die zu groß sind, um umzufallen, ohne dass davon extreme Schockwellen ausgehen würden. Sie ist aber auch unter jenen Großbanken, die ihre Staatshilfen frühzeitig tilgen können und sich bereits wieder milliardenschwere Kapitalpolster für künftige Akquisitionen zulegen.

Vom streitbaren Anleger Rupert-Heinrich Staller wurde der Vorstand Mittwochnachmittag in der Hauptversammlung gefragt, ob die Erste Group "too big to fail" wäre. Konzernchef Andreas Treichl: "Wir stehen natürlich für 25 Prozent der Einlagen der Österreicher, 30 Prozent der Einlagen der Tschechen und Slowaken, weit über 20 Prozent der Rumänen und 10 Prozent der Ungarn."

"Wenn uns was passiert, wäre das ein Drama für die Region und wahrscheinlich ein extremer wirtschaftlicher Schaden. In dem Sinn sind wir wahrscheinlich too big to fail." Die Erste Group zählt mehr als 50.000 Beschäftigte und hat in der Region 17,5 Millionen Kunden.

"Riesen-Krise" in Europa
Angesichts der Schuldenkrise von Griechenland Co sprach Treichl von einer "Riesen-Krise" in Europa. Dass die Banken schuld seien, wies er bei der Hauptversammlung entschieden zurück. Dass Politiker das Griechenland-Hilfspaket so darstellten, dass man hier "ein Paket zur Rettung von Griechenland für die Banken" schnürte, sei eine Irreführung der Bevölkerung. "Nicht wir haben 2004 übersehen, dass Griechenland falsche Zahlen abgegeben hat. Das war die Politik", sagte Treichl.

4,4 Mrd. Euro hat die Erste Group in jenen Ländern verborgt, die unfreundlich als PIGS-Staaten abgekürzt und zusammengefasst werden. Also in Portugal, Italien, Griechenland, Spanien. Treichl kritisierte undifferenzierte Darstellungen. "Jetzt wird Spanien in einen Topf geworfen wie Griechenland", empört sich Treichl. "Völlig absurd. Die Verschuldung von Spanien ist ein Eck niedriger als die Verschuldung von Österreich."
(apa/red)

13.5.2010 14:39