Dienstag, 11. Mai 2010

Euro-Krisenpaket stimmt Nowotny und Liebster positiv: Eine "Hilfe zur Selbsthilfe"

  • Langfristige Stabilisierung durch Beitrag der Staaten
  • Nationalbank-Gouverneur sieht keine Inflationsgefahr

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny und Ex-Notenbankchef Klaus Liebscher beurteilen das jüngst beschlossene Euro-Krisenpaket positiv. Nowotny sieht in der Reaktion der Finanzmärkte den Beweis dafür, dass es gelungen sei, "die Spekulation massiv einzubremsen", wie er im Ö1-"Morgenjournal" sagte. Für eine langfristige Stabilisierung müssten die Staaten nun selbst etwas unternehmen.

Eine Inflationsgefahr sieht Nowotny nicht. Laut Liebscher wurde das Vertrauen in die EU und in den Euroraum mit den jüngsten Beschlüssen der EU-Finanzminister wirksam gestärkt.

"Hilfe zur Selbsthilfe"
Für den OeNB-Gouverneur ist das Euro-Krisenpaket eine "Hilfe zur Selbsthilfe". Man habe jetzt spekulative Übertreibungen bekämpft, doch dahinter stehe weiterhin die Problematik von zu hohen Defiziten in einigen EU-Staaten. "Das ist die unmittelbare Ursache, dort muss man jetzt ansetzen", so Nowotny. Nun müssten die entsprechenden Stabilisierungsprogramme ganz konsequent durchgesetzt werden. Und das werde von EU und Europäischer Zentralbank laufend überprüft.

Keine Inflations-Gefahr
Die Gefahr einer stark steigenden Inflation sieht Nowotny "auf keinen Fall". Denn das nun fließende Geld führe nicht unmittelbar zu höheren Ausgaben. Und die Inflation würde nur steigen, "wenn wir die Geldmenge nicht unter Kontrolle hätten". Nowotny sieht eher ein gegenteiliges Problem: Die Nachfrage in Europa sei zu schwach. Zu geringes Wirtschaftswachstum und zu hohe Arbeitslosigkeit seien die aktuellen Probleme.

Dass die Europäische Zentralbank mit Tabus gebrochen hat und nun auch Staatsanleihen notleidender Eurostaaten kauft, beunruhigt Nowotny nicht. Die EZB habe weiterhin alle Instrumente, um eine Inflationsrate um durchschnittlich 1,9 Prozent zu gewährleisten.

(apa/red)

11.5.2010 11:22