Wird Öl-Leck mit Reifenteilen gestopft? Neue Idee um Katastrophe zu bekämpfen
- "Krempel" soll ins Loch und zuzementiert werden
- Unternehmen schieben sich indes schwarzen Peter zu

·Ölpest: BP auf der Suche nach Plan B
Kleinere Glocke oder
"Betonstöpsel" geplant
·BILDER: Der Kampf gegen die Katastrophe
Mehrere hundert Tonnen täglich ins Meer geflossen
·Ölplattform wies Sicherheitsmängel auf
Besitzer äußerten bereits vor einem Jahr Bedenken
·Langwieriger Kampf gegen den Ölteppich
BP: Reparatur des Lecks dauert noch drei Monate
·Obama: "BP wird die Rechnungen zahlen"
Ölteppich: Fieberhafte Bemühungen um Rettung
Die Ölkatastrophe vor der Südküste der USA beschäftigt nun auch den Senat in Washington. Der Ausschuss für Energie und Rohstoffe sowie der Umweltausschuss der Parlamentskammer wollen die Verantwortung für das Unglück klären. Dabei schieben sich die drei beteiligten Konzerne gegenseitig die Schuld zu.
Der Mineralölkonzern BP betont, dass die von BP genutzte Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" im Besitz der Firma Transocean sei - das weltgrößte Bohrplattformunternehmen hat seinen Sitz in Zug in der Schweiz. Wie aus Unterlagen für die Anhörungen hervorgeht, bemängelt BP-America-Chef Lamar McKay insbesondere, dass ein Abstellventil von Transocean am Meeresgrund versagt habe. Von den 126 Arbeitern der Plattform seien nur sieben von BP gewesen.
"Verantwortung bei BP"
Transocean-Vorstandschef Steven Newman erklärte hingegen, die Verantwortung für die Bohrpläne läge bei BP. "Offshore-Projekte für die Öl- und Gasförderung beginnen und enden beim Betreiber, in diesem Fall BP", betonte Newman. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass die Ausrüstung wie der "Blowout Protector" nicht betriebsfähig gewesen sei.
Chemikalien sollen Öl zersetzen
Newman wies auch auf die Rolle des technischen Dienstleistungskonzerns Halliburton hin. Dieses Unternehmen war als Vertragspartner dafür zuständig, die Förderröhre vor dem Anschluss an die Ölquelle in Zement einzukleiden. Halliburton-Manager Tim Probert machte in seinen Einlassungen für die Anhörungen geltend, dass diese Arbeiten entsprechend der von BP gestellten Anforderungen abgeschlossen worden seien. Am Ort des Unglücks genehmigte die US-Umweltbehörde EPA unterdessen den Einsatz von Dispersionschemikalien, die das ins Meer ausgelaufene Öl zersetzen sollen.
Ingenieure versuchen Öl zu bekämpfen
Während sich die beteiligten Firmen bei Anhörungen vor Senatsausschüssen gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben, denken sich die Ingenieure immer neue Provisorien aus, um das unaufhörlich sprudelnde Öl zu bekämpfen.
Über der Unglücksstelle schlägt dunkelbraune und schwarze Schlick in Wellen gegen das Versorgungsschiff "Joe Griffin". Die Dämpfe sind so stark, dass die Besatzungsmitglieder und ein Fotograf an Bord Atemgeräte anlegen müssen, wenn sie an Deck wollen. Nach dem Fehlschlag mit einer gigantischen Absaugglocke schossen die Spezialisten mit einem Tauchroboter Chemikalien in das Leck, um das ausströmende Öl zu verdünnen. Die Umweltschutzbehörde EPA hat den Versuch erlaubt, obwohl weitgehend unbekannt ist, wie sich das Mittel auf die Umwelt auswirkt.
Reifenteile und Golfbälle?
Eine andere Idee ist, das Leck mit Krempel wie Golfbällen und Reifenteilen zu verstopfen und dann mit Lehm und Zement zu verschließen. Statt der großen Stahlglocke, in der sich Eiskristalle bildeten und die Auslässe verstopften, wollen die Techniker mit einer kleineren Vorrichtung versuchen, das Öl aufzufangen. Das Gehäuse misst nur 1,2 Meter im Durchmesser und wiegt keine zwei Tonnen, wie BP-Einsatzleiter Doug Suttles erklärt. Beim Absenken soll diesmal warmes Wasser und Methanol hineingepumpt werden, damit sich erst gar keine Eiskristalle bilden können.
Keine dieser Methoden ist je in so großer Tiefe angewandt worden. Gleichzeitig wird eine Entlastungsbohrung vorangetrieben, um den Druck von der Unglücksstelle zu nehmen. Das gilt als dauerhafteste Lösung, kann aber bis zu drei Monate dauern. Seit der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April strömen täglich schätzungsweise 800.000 Liter Öl aus. Wenn das so weitergeht, hat die Ölkatastrophe schon bis 20. Juni das Ausmaß des Tankerunglücks vor Alaska 1989 übertroffen.
Sandsäcke an der Küste
In Grand Isle an der Küste von Louisiana ist eine ganze Armee schweren Geräts aufgefahren: Kipplaster und Schaufelbagger, Militärjeeps und Hummer schütten Dämme auf um zu verhindern, dass das Öl in die Marschen vordringt. Hubschrauber der Nationalgarde setzen tonnenschwere Sandsäcke ab.
Wasser aus Mississippi
Weiter landeinwärts versuchen Arbeiter derweil, Wasser aus dem Mississippi in die Feuchtgebiete zu pumpen in der Hoffnung, dass es das ölige Meerwasser zurückdrängt. Das Leitungssystem ist eigentlich dazu gedacht, sedimenthaltiges Flusswasser in die Marschen zu leiten und so der Erosion entgegenzuwirken.
Fischer hadern mit Schicksal
Vielen Fischern, die wegen des Fangverbots nicht ausfahren dürfen, geht es inzwischen an die Existenz. Der Garnelenfischer Manuel Meyer aus Hopedale in Louisiana hat stundenlang vergebens gewartet, dass er zum Auslegen von Ölsperren angeheuert würde. "Ich weiß nicht, wie ich meine Familie ernähren soll. Ich weiß nicht, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll. Wir leben von einer Woche zur anderen", sagt der 37-Jährige niedergeschlagen. Im Kreis St. Bernard sind schon Hilfsorganisationen und Spender eingesprungen und verteilen Lebensmittel, Babynahrung und Einkaufsgutscheine.
(apa/red)
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