Rennen um die Goldene Palme beginnt: Schwere Kost dominiert den Wettbewerb
- Stammgäste wie Kitano, Leigh und Inarritu dabei
- Außer Konkurrenz: Promi-Namen wie Woody Allen
·Filmfestival Cannes: Wettbewerb komplett
Nach Goldener Palme 09 karges Jahr für Österreich
·Von Haneke über Polanski bis Van Sant
Die Cannes-Preisträger
der letzten zehn Jahre
·Venedig: Tarantino
wird Jury-Präsident
67 Filme im Wettbewerb um Goldenen Löwen
·Carla Bruni in neuem
Woody Allen-Streifen
Präsidentengattin spielt mit Cotillard und Wilson

Die Filmfestspiele in Cannes warten in diesem Jahr mit Croisette-Veteranen und Sozialdramen auf. Mit Regisseuren wie Abbas Kiarostami, Takeshi Kitano, Mike Leigh und Alejandro Gonzalez Inarritu konkurrieren Cannes-Stammgäste um die Goldene Palme.
Die Österreicher haben nach dem Erfolg von "Das weiße Band" im vergangenen Jahr nur minoritäre Aussicht auf einen Hauptpreis: Am Wettbewerbsbeitrag "Tender Son - The Frankenstein Project" von Kornel Mundruczo war die Wiener Produktionsfirma KGP beteiligt.
Promi-Namen außer Konkurrenz
Die prominenteren Namen sind eher außer Konkurrenz vertreten: Woody Allen stellt seinen neuen Film "You Will Meet A Tall Dark Stranger" außer Konkurrenz vor. Oliver Stone zeigt 23 Jahren nach seinem Hit "Wall Street" und nach dem Börsencrash die Fortsetzung: "Wall Street - Money Never Sleeps". Und der französische Star Olivier Assayas präsentiert mit "Carlos" einen Film über den berüchtigten Terroristen, der nicht zuletzt 1975 einen Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien verübt hatte. Als Koproduzent fungierte auch hier Gabriele Kranzelbinders KGP.
Gewalt, Terror und Einsamkeit
Den Wettbewerb an der Cote d'Azur dominiert vor allem schwere Kost: In "Biutiful" des Mexikaners Inarritu, der 2006 in Cannes für die Regie von "Babel" ausgezeichnet wurde, geht es um den Kampf eines einsamen Mannes, der um sein Überleben kämpft und gleichzeitig versucht, seine kleinen Kinder vor allzu großer Armut und Leid zu bewahren. Der Franzose Xavier Beauvois erzählt in "Des Hommes Et Des Dieux" die wahre Geschichte von acht französischen Mönchen, die in Nordafrika friedlich mit Muslimen zusammenleben, bis Gewalt und Terror auch das Kloster erreichen. Und in "Another Year" bleibt der Brite Mike Leigh seinem Ruf als Spezialist für soziale Themen treu.
Frankreich mit vier Filmen im Wettbewerb
Frankreich geht mit vier Filmen und den meisten Beiträgen in den Wettbewerb. Neben Beauvois schickt Mathieu Amalric "Tournee" ins Rennen. Der 44 Jahre alte Filmemacher und Schauspieler war 2008 in Cannes für seine Rolle in "Schmetterling und Taucherglocke" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden. Bertrand Tavernier ist mit "La Princesse De Montpensier" im Wettbewerb. Und Rachid Bouchareb sorgte mit "Hors La Loi" schon im Vorfeld zumindest in Frankreich für kontroverse Diskussionen. Ihm wird vorgeworfen "anti-französisch" zu sein, handelt sein Film doch von dem Massaker im algerischen Setif, bei dem 1945 Hunderte algerische Demonstranten von der französischen Armee getötet wurden.
Nur ein Hollywood-Beitrag
Insgesamt kommen die meisten der 18 Beiträge aus nichteuropäischen Ländern. Erstmals dabei: ein Film aus dem Tschad, und zwar von Mahamat-Saleh Haroun mit "Un Homme Qui Crie". China geht mit "Chongqing Blues" von Xiaoshuai Wang ins Rennen, Südkorea ist gleich zweimal vertreten und aus Thailand bringt Filmemacher Apichatpong Weerasethakul "Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives" mit an die Croisette. Hollywood ist nur mit einer Produktion vertreten: In Dough Limans "Fair Game" um die Geheimagentin Valerie Plame spielt Sean Penn die Hauptrolle.
Duo Scott-Crowe zur Eröffnung
Opulentes Popcornkino bietet der Eröffnungsfilm von Ridley Scott. Sein "Robin Hood" mit Russell Crowe und Cate Blanchett setzt vor der bekannten Geschichte des englischen Rebellen an. Das mitunter martialische Gemetzel über zwei Stunden erinnert immer wieder fatal an Scotts Historienepos "Gladiator", ebenfalls mit Crowe in der Titelrolle.
"Un certain regard" - Ruhiges Programm
Ruhiger geht es in in der Reihe "Un certain regard" der offiziellen Auswahl zu. Dort zeigt der französische Altmeister und Nouvelle-Vague-Mitbegründer Jean-Luc Godard seinen Beitrag "Film socialisme". Einen Dokumentarfilm über den deutschen Künstler Anselm Kiefer stellt Sophie Fiennes vor, die Schwester der Filmstars Ralph und Joseph Fiennes. Und Österreich ist - wieder minoritär - mit "Pal Adrienn" von Agnes Kocsis, einer Koproduktion der Wiener FreibeuterFilm, vertreten.
Burton als Jury-Vorsitzender
Doch auch wenn für das 63. Festival erstmals seit mehreren Jahren weniger Spielfilme eingereicht wurden, wie der künstlerische Leiter Thierry Fremaux Mitte April verkündet hatte, wird es an Glamour nicht fehlen. Allein die Jury wird mit dem Paradiesvogel Tim Burton als Vorsitzenden und unter anderem den Schauspielern Kate Beckinsale und Benicio Del Toro für Starrummel sorgen.
Stones-Frontman erwartet
Isabelle Huppert, Dauergast und Jurypräsidentin im vergangenen Jahr, wird ebenso an die Croisette kommen wie Diane Kruger und Javier Bardem ("Biutiful"). Und auch Mick Jagger wird erwartet: Er wirbt für den Dokumentarfilm "Stones in Exile" in einer Nebenreihe, in dem er mit seinen Bandkollegen zu sehen ist. Für Partystimmung wird also gesorgt sein.
(apa/red)

