Sonntag, 16. Mai 2010

Der Iran gibt sein "Faustpfand" wieder frei:
Französin Reiss ist nach 10 Monaten daheim

  • Freilassung gegen umgerechnet rund 230.000 Euro
  • Außenminister Kouchner dementiert Gegenleistungen

Clothilde Reiss hat am Wochenende ein Wechselbad der Gefühle durchlebt: Erst verurteilte ein iranisches Gericht die 24-jährige Französin zu einer jahrelangen Gefängnisstrafe, weil sie vergangenes Jahr die Massenproteste gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad unterstützt haben soll. Dann wurde die Haft in eine Geldstrafe umgewandelt, und sie durfte nach Hause zu ihrer Familie fliegen.

Damit ging ein zehn Monate langes diplomatisches Tauziehen zwischen Frankreich und dem Iran zu Ende. Teheran hatte sich in dem Fall Zeit gelassen, denn Reiss war offenbar ein willkommenes Faustpfand gegenüber dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

"Entscheidung der Milde"
Die Freilassung von Reiss gegen umgerechnet rund 230.000 Euro sei eine "Entscheidung der Milde", sagte ihr iranischer Anwalt Mohammed Ali Mahdawi Sabet in Teheran. Demnach war Reiss eigentlich zu einer Gefängnisstrafe von zweimal fünf Jahren verurteilt worden. Die iranische Justiz hatte Reiss zur Last gelegt, in E-Mails Berichte und Fotos über die Proteste gegen die Wiederwahl von Ahmadinejad verbreitet und damit zum Aufruhr angestiftet zu haben. Reiss hatte die Vorwürfe im August zugegeben. Sie durfte daraufhin gegen Kaution vom berüchtigten Ewin-Gefängnis in die französische Botschaft umziehen, um auf ihr Urteil zu warten.

Für Sarkozy war der Fall politisch heikel. Denn vor der Festnahme von Reiss hatte er den Ton gegenüber Teheran verschärft. Im Juni 2009 sprach er als einer der ersten nach den iranischen Wahlen offen von "Betrug". Und im Streit um das iranische Atomprogramm drängte er auf verschärfte Sanktionen. Daran hat sich nichts geändert: "Die Stunde der Wahrheit rückt näher", warnte Sarkozy Teheran Mitte April mit Blick auf die Entscheidung im UN-Sicherheitsrat über die Sanktionen.

Gegenleistungen dementiert
Der französische Außenminister Bernard Kouchner wies zurück, dass es in irgendeiner Form "Gegenleistungen" für die Freilassung von Reiss gegeben haben könnte. Ein "Geschacher" um die junge Frau habe nicht stattgefunden, sagte er. Vor einigen Monaten allerdings "schacherten" die beiden Staatschefs höchstpersönlich übers Fernsehen um Reiss. Paris wisse, "dass es einige Iraner gibt, die seit Jahren in Frankreich im Gefängnis sind", sagte Ahmadinejad im September zu dem Fall. "Unglücklicherweise hat die französische Regierung nichts zu Gunsten dieser Häftlinge unternommen." Das sei "Erpressung", schimpfte Sarkozy darauf empört. Reiss sei unschuldig und könne nicht gegen "Mörder" ausgetauscht werden.

Mit dem Mörder meinte er den Iraner Ali Wakili Rad, der 1991 den früheren iranischen Regierungschef Japur Bachtiar ermordet hatte. Er sitzt in Frankreich eine lebenslange Haftstrafe ab. Doch am Dienstag steht ein Haftprüfungstermin an, bei dem er unter Auflagen auf freien Fuß kommen könnte. Laut seinem Anwalt müsste er dann wegen eines fehlenden Wohnsitzes in Frankreich an den Iran ausgeliefert werden, worüber das Pariser Innenministerium entscheiden müsse.

(apa/red)

16.5.2010 14:16
Vasant, 17. 05. '10 10:25
Warum zahlt man für solche Opfer?
Wer sich in Gefahr begibt, der kann darin umkommen!

Ich verstehe nicht, warum Steuerzahler aus Frankreich
solche Summen für Menschen aufbringen müssen, die
sich in anderen Ländern in deren Politik einmischen bzw.
dort vielleicht sogar einen auf Rebell machen??

Genauso wie "Touristen" die in gefährliche Regionen
fahren und dann entführt werden! Da hab ich absolut
kein Verständnis dafür, warum man für solche Leute
zahlen soll!?

Und mal ehrlich ... mit angeblich "nur" 230.000 Euro
hat man die freigegeben;) Die sollen mal die wirklichen
Summen veröffentlichen! Aber dann würde man ja beim
Volk noch Erklärungsbedarf haben, warum man gerade
in Krisenzeiten solche Summen nicht in das eigene Land
investiert, sondern in solche "Helden";)