Historisches Treffen der ehemaligen Feinde: Griechen & Türken in gemeinsamer Sitzung
- Schuldenkrise ermöglicht Annäherung Athen - Ankara
- Rivalität der Länder sorgt für hohe Militärausgaben

Historische Annäherung zwischen Griechen und Türken: Die Regierungen der beiden ehemals verfeindeten Länder sind am Freitag in Athen zu ihrer ersten gemeinsamen Kabinettssitzung zusammengekommen. Mit Blick auf die horrende Staatsverschuldung Griechenlands sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Bereitschaft zu, massive Kürzungen an den hohen Verteidigungsausgaben beider NATO-Mitglieder vorzunehmen.
In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich Erdogan und sein griechischer Kollege Giorgos Papandreou überzeugt, dass "die neue Richtung der Beziehungen Griechenland und die Türkei zu einer besseren Zukunft zum Wohle beider Völker" führen könnten.
Der Vorschlag einer Senkung der Rüstungsausgaben fand bei der griechischen Regierung offene Ohren. Der stellvertretende Regierungschef Theodoros Pangalos sprach mit Blick auf die Türkei von einer "imaginären Bedrohung, die von einer politischen Konfrontation verursacht wird, die gelöst werden kann und muss".
Griechenland will wegen seines gewaltigen Defizits die Verteidigungsausgaben um 25 Prozent statt der bisher eingeplanten 12,6 Prozent kürzen. Das Land hat von allen EU-Staaten die - gemessen an seiner Wirtschaftsleistung - höchsten Rüstungsausgaben. Die übrigen Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenland Kredite im Umfang von insgesamt 110 Milliarden Euro zugesagt, um das Land vor dem Staatsbankrott zu retten.
Hohe Militärausgaben durch Rivalität
Griechenland und die Türkei haben nicht in erster Linie wegen der gemeinsamen NATO-Aufgaben hohe Militärausgaben, sondern wegen ihrer alten Rivalität. Konfliktpunkte sind das geteilte Zypern und Gebietsansprüche in der Ägäis. Bis zum vollen Ausbruch der Schuldenkrise hat die griechische Regierung deswegen den EU-Beitrittsantrag der Türkei blockiert und den Standpunkt vertreten, erst müssten diese Differenzen beigelegt werden.
Erdogan sagte dazu in einem Interview des griechischen Fernsehens am Donnerstagabend, er unterstütze die Bemühungen Athens um eine Sanierung seiner Finanzen. Sowohl die Türkei als auch Griechenland hätten sehr große Verteidigungshaushalte. "Wir müssen diese Ausgaben reduzieren und das Geld für andere Zwecke verwenden", sagte er. "Wenn wir den Willen dazu haben, wird es Ergebnisse geben." Vor dem Abflug nach Athen sagte er am Freitag, Vereinbarungen in dieser Sache würden "den Beginn einer neuen Ära zwischen den beiden Ländern" ebnen.
Der Besuch des türkischen Regierungschefs und seiner Minister ist in Athen nicht unumstritten. Für den Abend hatten griechische Nationalisten eine Demonstration gegen "den Besuch des Sultans" geplant.
(apa/red)
