Dienstag, 11. Mai 2010

Missbrauchsverdacht in Wiener Kinderheim:
Vorfälle sollen sich in 90ern ereignet haben

  • Stadt Wien: Anzeige erstattet, Ermittlungen laufen
  • Vorwürfe seit Jahren bekannt: Fall wird neu aufgerollt

Schrecklicher Missbrauchsverdacht - diesmal außerhalb der Kirche: Das Kinderheim "August Aichhorn Haus" in Wien-Hietzing ist ins Visier der Justiz geraten. Die Stadt Wien hat bereits am 22. März 2010 bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Verdachts auf systematischen Missbrauch erstattet, wie eine Sprecherin des Jugendstadtrates Christian Oxonitsch gegenüber NEWS.at bestätigte. Die Vorfälle sollen sich in den 90er Jahren ereignet haben. Es wird gegen den mittlerweile 57-jährigen Chef einer Reinigungsfirma, zwei weitere namentlich bekannte Männer und drei derzeit noch nicht identifizierte mögliche Mittäter ermittelt.

"Die Vorwürfe lauten auf Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses und sexuelle Belästigung", meinte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey. Die Anzeige sei Ende April zu weiteren Ermittlungen der Polizei übermittelt worden.

Vorwürfe nicht unbekannt
Die Vorwürfe gegen das Kinderheim sind nicht unbekannt. Bereits vor zehn Jahren wurde ein Verfahren eingeleitet, das letztlich aber eingestellt wurde. "Der Fall ist bis zum Obersten Gerichtshof gegangen. Die angeklagten Personen wurden damals freigesprochen", begründete die Sprecherin des Jugendstadtrates den Verlauf der Anklage.

Derzeit ist unklar, inwieweit sich die neuen Anschuldigungen mit alten decken, die in den Jahren 2001 und 2002 Gegenstand zweier Strafprozesse gewesen sind, in denen der Unternehmer jeweils freigesprochen wurde. Sofern es Parallelen gibt, müsste abgeklärt werden, ob in Bezug auf die gerichtlich abgetanen, freigesprochenen Fakten neue Beweismittel vorliegen, die eine neuerliche Prüfung der Vorwürfe nötig machen.

Fall neu aufgerollt
Die aktuelle Anzeige geht von zwei früheren Heiminsassen und einem ehemaligen Lehrer der beiden aus, die sich an die Stadt Wien gewandt hatten. "Wir wollten das nicht vertuschen, sondern wir möchten eine Aufklärung", betonte die Sprecherin der Stadt Wien.

Der Ältere der beiden, ein inzwischen 27-jähriger Mann, war laut ORF als Zehnjähriger in das Heim eingewiesen worden. Nach einem Jahr habe er sich gegen Taschengeld für den Unternehmer zu Putzdiensten einteilen lassen. "Wir sind mit Bus abgeholt worden, um zu putzen, schauen halt, dass unten im Keller die diversen Sex-Spielzeuge vorher und nachher geputzt werden. Fesseln, SM-Masken, Handschellen", zitierte das Morgenjournal den 27-Jährigen.

Brisantes Fotomaterial offenbar verschwunden
In den beiden Wohnungen habe er Fotos gefunden, rund 170 davon gesammelt und schließlich einem Polizisten übergeben: "Männer unmaskiert in sexuellen Handlungen mit Heiminsassen, Heimkindern, unter 14-, 15-Jährige, die dort mitgemacht haben, Mädels von anderen Heimen, Burschen von anderen Internaten. Von diversen Stellungen bis zu Auspeitschen hast du alles auf diesen Fotos gesehen."

Doch die der Polizei übergebenen Beweisfotos seien offenbar verschwunden. Außerdem kenne er fünf Zeugen, die das Gericht vor zehn Jahren nicht befragt habe, behauptet der 27-Jährige. Seinen Angaben zufolge wurden Minderjährige zu sexuellen Handlungen gezwungen, aber auch dafür bezahlt. Die Heimleitung habe vom Missbrauch gewusst. Nur weil er sich gewehrt und einen Erzieher verletzt habe, sei er selbst nicht Opfer geworden.

Der Verein, der das Heim betreibt, war zu keinem Kommentar bereit. Man behalte sich "eine Stellungnahme zu gegebener Zeit vor", hieß es aus der Vereinszentrale.

Anwalt des Hauptverdächtigen dementiert
Der Anwalt des Hauptverdächtigen betonte, bei den nun wieder thematisierten Anschuldigungen handle es sich um "alte Hüte", die schon seinerzeit von den Sicherheitsbehörden und der Justiz eingehend überprüft wurden. "Da ist nichts dran", sagte Ralf Mössler.

(apa/red)

11.5.2010 15:35
mundl66, 11. 05. '10 18:51
wenn wir nur 10 % wissen würden
draht´s an normalen Menschen den Magen um.
I hoff de Straf kommt für alle. Egal ob Politika, Pforra oder Kinderschända.
DeFacto, 11. 05. '10 14:17
Scheidungsindustrie
Hier in Österreich und ganz besonders in Wien und Umgebung ist ein kriminelles System etabliert, das Opfer produziert, um sie dann scheinheilig zu betreuen oder gar zu missbrauchen! Die Täter sind nicht zuletzt in den Reihen von Politik, Justiz und Betreuungseinrichtungen zu suchen ... auch wenn sie sich als Helfer darstellen.
Mehr dazu unter www.scheidungsindustrie.at
wong, 12. 05. '10 12:20
Re: Scheidungsindustrie
wunderbar, danke, denn nichts anderes ist die wahrheit, in der und mit der wir alle leben müssen...!
wong, 11. 05. '10 12:37
dran bleiben
sehr gut - aber auch verbindungen in die politik, die die vertuschung bisher verhindert haben, sollten durchleuchtet werden !