Die Türkei als Vorbild für Europa
- S. Scholl über über die verpasste Chance der Türkei
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?
Früher oder später wird die Türkei der Europäischen Union angehören. Und das ist gut so. Die bisherigen Argumente gegen den Beitritt sind nämlich kaum haltbar. Ein von Muslimen bewohnter Staat habe nichts in Europa verloren? Die Türkei liege zur Hälfte in Asien? Das sind eher Gründe, sie so schnell wie möglich aufzunehmen und damit eine starke Brücke zum Rest des Kontinents zu erwerben und der EU jene Vielfalt zu verschaffen, die sie braucht.
Zurzeit sprechen nur zwei allerdings gewichtige Gründe gegen einen EU-Beitritt der Türkei: der Umgang mit den Menschenrechten und die immer weiter andauernde Leugnung des Genozids an den Armeniern. Doch genau diese Gründe spielen in der Diskussion darüber, ob man die Türkei aufnehmen soll oder nicht, erstaunlicherweise kaum eine Rolle. Dabei könnte Europa bei entsprechendem diplomatischem Verhalten zu einem entscheidenden Umdenken in der Türkei beitragen.
Und wenn man ein bisschen optimistisch-utopisch denken will: Die Türkei könnte sich endlich ihrer Verantwortung stellen, sich mit ihrer Vergangenheit ehrlich auseinandersetzen, einen neuen Umgang mit den in ihr lebenden Minderheiten, den Kurden zum Beispiel, finden und so als neues EU-Mitglied geradezu zum Vorbild werden.
Leider spricht heute nichts dafür, dass sich die Europäer um eine solche Entwicklung bemühen, und die aktuelle türkische Führung tut eher das Gegenteil und droht jedem, der den Völkermord an den Armeniern auch nur erwähnt. Zuletzt kündigte die Regierung sogar an, all jene Armenier, die ohne türkischen Pass in der Türkei leben, auszuweisen. Wenn sich an dieser Haltung nichts ändert, vertut nicht nur die Türkei eine große Chance sondern ganz Europa.
