Unser tägliches Brot gib uns zum Nulltarif:
Sozialmärkte im Kampf gegen die Armut
- Einkommensschwache Menschen kaufen fast gratis
- VIDEO: NEWS.at zu Besuch im Hilfswerk-Markt SOMA

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Waschmittel zum Dumpingpreis und täglich Brot zum Nulltarif? Was nach einem Ausflug ins Schlaraffenland klingt, ist in mehreren österreichischen Städten längst Wirklichkeit: Die Sozialmärkte erobern das Land - und sagen der Armut den Kampf an.
Im Geldbörserl herrscht Ebbe und die Stromrechnung ist noch offen. Die Kinder entwickeln einen immer gesunderen Appetit, auch neue Kosmetika wären längst überfällig. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Für die stetig wachsende Menge der armutsgefährdeten Menschen in Österreich gibt es inzwischen eine Alternative zum kostspieligen Einkauf im Supermarkt: den Sozialmarkt. An mehreren Dutzend Standorten in Österreich hat sich diese Form eines gesponserten Supermarktes bereits bewährt - so auch in Wien, wo unter anderem das Hilfswerk den SOMA Sozialmarkt im 7. Bezirk betreibt.
Die Idee, die laut Hilfswerk-Pressesprecherin Martina Goetz ursprünglich aus den USA und Deutschland stammt, ist dabei gleichermaßen einfach wie überzeugend: "Wir geben Lebensmittel, die nicht mehr in den Verkauf gelangen und von Unternehmen entsorgt werden müssten, an Leute mit geringem Einkommen weiter", erläutert Goetz. Firmen wie NÖM oder Vöslauer stellen ihre nicht mehr im Einzelhandel verkaufbaren Erzeugnisse dem Sozialmarkt zum Nulltarif zur Verfügung - und sparen sich damit sogar Entsorgungskosten.
Win-win-Situation
Die Zusammenarbeit mit den Spendern verläuft laut Sozialmarktleiter Carsten Zech dabei reibungslos, da man für alle Beteiligten eine "win-win-Situation" geschaffen habe. Vor allem aber freuen sich die Kunden über die Möglichkeit des günstigen Einkaufs, wie NEWS.at bei einem Besuch beim SOMA Sozialmarkt herausfand.
Damit das fragile Gleichgewicht nicht aus der Balance gerät, achten die Sozialmärkte darauf, ihre Zielgruppe nicht aus den Augen zu verlieren. "Wir sind keine Entsorgungsstation, sondern geben Lebensmittel an armutsgefährdete Menschen weiter", betont Zech gegenüber NEWS.at und bekräftigt gleichzeitig, dass es strikte Regeln für den Einkauf gibt. "Als Einzelperson darf ich derzeit maximal 912 Euro im Monat verdienen, um im Sozialmarkt einkaufen zu können", so der Marktleiter. Eingekauft werden darf dreimal pro Woche, Brot kann täglich gratis bezogen werden.
Dass ein derartiges Privileg Menschen mit einem etwas höheren Einkommen verärgern könnte, weist Goetz zurück: "An uns wurden diesbezüglich noch keine Beschwerden herangetragen", so die Hilfswerk-Sprecherin. Ganz im Gegenteil wird das Angebot allgemein sehr positiv aufgenommen. Und Menschen, die die Nähe des Sozialmarktes aus Statusangst scheuen, rät Zech: "Die Leute brauchen sich nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Situation schämen. Es ist nichts Schlimmes daran, im Sozialmarkt einzukaufen."
(mei)
