Freitag, 7. Mai 2010

Ein Vertipper stürzt die Börsen ins Chaos:
Größte Verluste aller Zeiten an Wall Street

  • Händler soll "Million" mit "Billion" verwechselt haben
  • Kritik an den computergesteuerten Handelssystemen

Wenn am wichtigsten Finanzplatz der Welt unfassbare Geldsummen bewegt werden, sollte für den Schlendrian eigentlich kein Platz sein. Die Vorgänge der letzten Stunden lassen jedoch anderes vermuten: Der Vertipper eines Börsenmaklers soll den dramatischsten Kurssturz in der Geschichte der Wall Street verursacht haben. Statt "16 million" Dollar soll der Citigroup-Aktienjongleur "16 billion", also Milliarden gehandelt haben. Computergesteuerte Handelssysteme reagieren mit massiven Verkäufen - und stürzen die Finanzwelt ins Chaos.

Die Wall Street kommt nicht zur Ruhe: Kaum haben sich die Broker an den Aufwärtstrend der letzten Monate gewöhnt, brechen die Finanzmärkte in den Nachmittagsstunden eines gewöhnlichen Handelstages wie aus heiterem Himmel zusammen. In weniger als 30 Minuten verliert der wichtigste Aktienindex Dow Jones Composite ein Zehntel seines Wertes. Besonders beunruhigend: Der nach Punkten schlimmste Verlust in der Geschichte der Wall Street soll nicht einmal durch wirtschaftliche Entwicklungen, sondern durch einen internen Fehler verursacht worden sein.

Ein Händler der Citigroup habe nach US-Medienberichten eine Order über 16 Milliarden statt 16 Millionen getätigt - was bei den automatisierten Handelssystemen einen totalen Ausverkauf ausgelöst hat.

So wollen das weder Citigroup noch New Yorker Börse gelten lassen: Nicht ein Fehler eines Händlers, sondern die Griechenlandkrise habe den extremen Kurssturz verursacht. Allerdings ist man bemüht, die wahren Hintergründe herauszufinden: "Wir arbeiten mit anderen Behörden zusammen, um herauszufinden, warum die Aktien so stark fielen", kündigten die Aufsichtsbehörden SEC und CFTC an.

Schiefes Licht
In jedem Fall rückt der Vorfall die computergesteuerten Handelssysteme, über die an der Wall Street alles läuft, in ein schiefes Licht. Erste US-Abgeordnete fodern daher bereits schärfere Kontrollen für den Computerhandel: "Hochgeschwindigkeits-Computer erzeugen falsche Geschäfte und erzeugen am Markt Chaos", beklagt der demokratische Senator Edward Kaufman und fordert die Einbettung "in einen sinnvollen Regulierungsrahmen."

Bis das passiert, könnte allerdings noch viel Zeit verstreichen: Immerhin hat die Wall Street Obamas eben erst Obamas Pläne zur Zerschlagung der größten Finanzriesen vereiteln können.
(mei)

7.5.2010 12:04
keinbrauner, 09. 05. '10 07:59
Tippfehler ?
Vielleicht hat man auch man probiert wie man die Börse in den Keller schickt und dann billig kaufen kann.
helscha, 07. 05. '10 17:39
Tippfehler mit Folgen
Ich weiß nicht, wie es möglich sein kann, daß aufgrund eines Tippfehlers solche Folgen entstehen können. Im Englischen gibt es ja keine "Milliarden", sondern von der Million geht es gleich zur "Milliarde". Vielleicht sollen sie die Tastatur mal programmieren, damit solche Fehler minimiert werden können... Ist ja schon schlimm genug, wenn es größenwahnsinnige Spekulanten und Ratingagenturen gibt...
DeFacto, 07. 05. '10 13:47
so was von verschlafen !
Wenn Österreichs Medien immer so spät auf Krisen aufmerksam werden, versäumen wir noch den Weltuntergang ... das gilt auch ganz besonders für den Staatsfunk und läßt die Bevölkerung wieder einmal als 'Almdeppen' erscheinen.
founder, 07. 05. '10 06:55
Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Gestern kam die Wallstreet ins Schleudern. Irgendjemand soll auf den falschen Knopf gedrückt haben und schon kam der Aktienkurs minus 9% ins Schleudern. Klingt nach "Da war in einer Kurve ein ganz winzig kleines Schlagloch und plötzlich war das Auto unkontrollierbar und der Ausritt in die Botanik endete zum Glück knapp vor dem Abgrund".

Daher Stoßdämpfer für die Börse, eine Tranakstionssteuer, noch besser straff eingestellte Sportstoßdämpfer, eine nach Haltezeit gestaffelte Transaktionssteuer, wer die Aktie 20 Jahre hällt bekommt 100% der Transkationssteuer zurück
http://politik.pege.org/2010/transaktionssteuer.htm
BadLieutenant, 08. 05. '10 12:04
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Und wie soll eine Transaktionssteuer einen derartigen Fall von "menschlichem Versagen" verhindern?
Die Folgen für die Kurse wären exakt die gleichen gewesen ... mit dem einzigen Unterschied, dass der Staat daran verdient hätte.
Der einzelne Anleger (also WIR ALLE - wenn man an Pensionsvorsorge, Lebensversicherungen, ... denkt!) hätte also doppelt gezahlt.
Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Investmentbanken/Broker die zusätzlichen Transaktionskosten durch eine solche Steuer aus eigener Tasche bezahlen würden?
founder, 08. 05. '10 19:24
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Ich schrieb über eine zeitlich gestafelte Transaktionssteuer. Wer die Aktie 20 Jahre hällt zahlt 0 Steuer. Wer aber meint 20 mal am Tag kaufen und verkaufen zu müssen, der zahtl für jede Transaktion am selben Tag 10%.

Es gibt solche Tradingsystene, die auf kleinest Kursschwankungen reagieren, es gibt Händler die damit ihr Geld verdienen.

Also wird man sich hüten Software Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu überlassen. Zu groß ist das Risiko. Man wird die Situation genau analysieren und dann erst eine Entscheidung treffen.

So was wie gestern ist ja richtig wie ein EDP - Elektronisches Destabilisierungsprogramm - bei der Arbeit.

http://politik.pege.org/2010/esp.htm

Börse muß wieder ein Finanzierungssytem werden. Das Spielkasino muß geschlossen werden.
BadLieutenant, 10. 05. '10 09:53
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Schön das sie ihre Argumente widerholen .. bloss war das leider keine Antwort auf meine Frage.

Eine Transaktionssteuer von 10% (wie von ihnen angedacht) würde bei MENSCHLICHEM VERSAGEN die Kosten des Fehlers uim 10% in die Höhe treiben.
founder, 10. 05. '10 10:40
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Nein, das würde die Kosten für Softwareversagen hinauf treiben. Niemand würde dann diese unstabile gefährliche Software mehr einsetzen.

Der zeitliche Horizint der Börsenfuzzis würde dadurch zwangsweise erhöht werden. Statt auf Stunden oder bestenfalls Quartalszahlen zu spekulieren, müßten diese dann die langfristigen Entwicklugnsmöglichkeiten betrachten.
BadLieutenant, 10. 05. '10 14:24
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Warum bitte zwingt mich als Anleger eine Transaktionssteuer zu einem längerfristigen Investment?
Wie bisher auch könnte ich auf kurzfristige Kursschwankungen spekulieren ... sinnvollerweise allerdings nur noch auf solche die ÜBER 10% liegen, da sich meine Gewinnschwelle nach oben verschiebt.
Wenn ich also (aus welchen Gründen auch immer) nur kurzfristig anlegen WILL, dann kann ich das weiterhin ... und wenn kurzfristige Anlagen eben nur entsprechend selten um mehr als 10% schwanken, dann werde ich mir alternative Anlagemöglichkeiten suchen - was im schlimmsten Fall den Börsen Kapital entzieht und damit den jeweiligen Wirtschaftsstandort schwächt.
founder, 10. 05. '10 14:55
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Irgendeine Ahnung was die nächsten 20 Jahre für einen Technologiewandel bringen, was von der Gesellschaft benötigt wird, was im Laufe der Umstellung so überflüssig wird wie der Heizer auf der E-Lok?

Nein! Spekulanten sind wie Spielsüchtige, die kümmern sich nicht ums morgen sondern nur den Casionbesuch von heute.

http://roland.pege.org/2008/degeneration-boerse.htm

Und diese Degeneration der Börse zum Spielcasino muß rückgängig gemacht werden. Spekulanten mit dem geistigen Horizont einer Eintagsfliege können und wollen nicht Begreifen, was für Umstellungen der Wirtschaft nötig sind, wollen sich damit nicht beschäftigen, wollen nur Zocken.

Wir brauchen eine funktionierende Börse, und deswegen ist die nach Haltedauer gestafelte Transaktionssteuer nötig um die Börse zu heilen.
BadLieutenant, 10. 05. '10 15:19
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Inhaltlich gebe ich ihnen da recht ... allerdings haben sie es bisher nicht geschafft mir klarzumachen, wie eine Transaktionssteuer ihrer Meinung nach den kurzfristigen Anlagehorizont ändern soll.
Ich fasse es nochmal zusammen: Eine Transaktionssteuer macht kurzfristiger Spekulation nicht den Garaus, sie verschiebt nur die Gewinnschwelle nach oben.

Was sie (nach meinem bisherigen Verständnis) anstreben, ist ein Wertewandel und damit eine gesellschaftpolitische Veränderung ... und ich bezweifle eben, dass diese "erzieherische Wirkung" durch eine Transaktionssteuer erzielt wird.

Um genauer zu sein: Das "kleine bisschen" an erzieherischer Wirkung einer Transaktionssteuer wird wohl in keiner Relation zum zusätzlichen Verwaltungsaufwand (= Kosten!) stehen.
founder, 10. 05. '10 15:30
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Ich habe in den letzten Jahren einige weltbewegende Erfindungen betreut, die mangels Kapital nicht vom Fleck kommen.

Kombination Photovoltaik und Wärmegwinnung
Neue Lithiumakkus mit extremer Lebensdauer und extrem Schnellladefähig.

Und ich habe das Scheitern anderer beobachtet

Es geht nicht, daß für Innovation kein Geld da ist, weil alles Geld bei den Zockern ist. Milliardäre die sich vor dem Zug werfen, weil sie im Börsencasino falsch gesetzt haben.

10% Haltezeit < 1 Tag
8% Haltezeit < 1 Woche
6% Haltezeit < 1 Monat
4% Haltezeit < 1 Quartal
3% Haltezeit < 1 Jahr
1% Haltezeit < 10 Jahre
ab 20 Jahre keine Transaktionssteuer.

Steuern steuern, in dem Fall zu mehr Weitsichtigkeit.
BadLieutenant, 10. 05. '10 15:42
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Steuern steuern zu mehr Weitsichtigkeit?

Nein, tun sie leider nicht - bzw. nur eingeschränkt!

Um ihre Modellrechnung aufzugreifen:
Wenn ich mit kurzfristiger Spekulation (< 1 Tag) 12% Gewinn machen kann, dann bleiben mir abzüglich 10% Transaktionssteuer 2% Nettogewinn.
Ein alternatives Langfrist-Investment in eine der von ihnen angesprochenen Erfindungen wäre nach 20 Jahren "steuerfrei" (jetzt rein auf die Transaktionssteuer bezogen) - rechnen sie bitte selbst aus welche Rendite dieses Investment nach 20 Jahren Laufzeit haben müsste, um (abgezinst auf den heutigen Tag) 2% zu schlagen.

Ich gebe ihnen absolut recht dass wir mehr Idealisten mit Zukunftsvisionen brauchen ... aber auch MIT Transaktionssteuer werden NUR Idealisten derart langfristig denken und investieren.
BadLieutenant, 10. 05. '10 15:46
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Was ich dabei noch gar nicht erwähnt habe ist das Problem der langfristigen Kapitalbindung.

Ein Unternehmen das zur Überbrückung eines kurzfristigen Kapitalbedarfs womöglich ohnehin schon mit Kursverlusten Wertpapiere aus seinem Kapitalanlagevermögen verkauft soll dann noch mit der Transaktionssteuer zusätzlich "bestraft" werden?

Das würde bedeuten das in solchen Fällen die Transaktionssteuer einen Bankkredit als alternative Finanzierung relativ gesehen "verbilligt" ... die Einführung einer Transaktionssteuer somit nicht mehr wäre als ein potentielles "Bankenhilfspaket".
BadLieutenant, 10. 05. '10 15:58
Re: Transaktionssteuer = Stoßdämpfer für die Börse
Um es plakativ auf den Punkt zu bringen:

Eine Transaktionssteuer steuert nicht "automatisch" zu mehr Weitsichtigkeit, sie macht nur Kurzsichtigkeit teurer.

Daraus den Schluss zu ziehen dass sich damit Weitsichtigkeit bei "fast allen" Marktteilnehmern (oder zumindest bei ausreichend vielen um signifikant etwas zu ändern) einstellen wird, halte ich persönlich für grob fahrlässig.