Ein Vertipper stürzt die Börsen ins Chaos:
Größte Verluste aller Zeiten an Wall Street
- Händler soll "Million" mit "Billion" verwechselt haben
- Kritik an den computergesteuerten Handelssystemen

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Wenn am wichtigsten Finanzplatz der Welt unfassbare Geldsummen bewegt werden, sollte für den Schlendrian eigentlich kein Platz sein. Die Vorgänge der letzten Stunden lassen jedoch anderes vermuten: Der Vertipper eines Börsenmaklers soll den dramatischsten Kurssturz in der Geschichte der Wall Street verursacht haben. Statt "16 million" Dollar soll der Citigroup-Aktienjongleur "16 billion", also Milliarden gehandelt haben. Computergesteuerte Handelssysteme reagieren mit massiven Verkäufen - und stürzen die Finanzwelt ins Chaos.
Die Wall Street kommt nicht zur Ruhe: Kaum haben sich die Broker an den Aufwärtstrend der letzten Monate gewöhnt, brechen die Finanzmärkte in den Nachmittagsstunden eines gewöhnlichen Handelstages wie aus heiterem Himmel zusammen. In weniger als 30 Minuten verliert der wichtigste Aktienindex Dow Jones Composite ein Zehntel seines Wertes. Besonders beunruhigend: Der nach Punkten schlimmste Verlust in der Geschichte der Wall Street soll nicht einmal durch wirtschaftliche Entwicklungen, sondern durch einen internen Fehler verursacht worden sein.
Ein Händler der Citigroup habe nach US-Medienberichten eine Order über 16 Milliarden statt 16 Millionen getätigt - was bei den automatisierten Handelssystemen einen totalen Ausverkauf ausgelöst hat.
So wollen das weder Citigroup noch New Yorker Börse gelten lassen: Nicht ein Fehler eines Händlers, sondern die Griechenlandkrise habe den extremen Kurssturz verursacht. Allerdings ist man bemüht, die wahren Hintergründe herauszufinden: "Wir arbeiten mit anderen Behörden zusammen, um herauszufinden, warum die Aktien so stark fielen", kündigten die Aufsichtsbehörden SEC und CFTC an.
Schiefes Licht
In jedem Fall rückt der Vorfall die computergesteuerten Handelssysteme, über die an der Wall Street alles läuft, in ein schiefes Licht. Erste US-Abgeordnete fodern daher bereits schärfere Kontrollen für den Computerhandel: "Hochgeschwindigkeits-Computer erzeugen falsche Geschäfte und erzeugen am Markt Chaos", beklagt der demokratische Senator Edward Kaufman und fordert die Einbettung "in einen sinnvollen Regulierungsrahmen."
Bis das passiert, könnte allerdings noch viel Zeit verstreichen: Immerhin hat die Wall Street Obamas eben erst Obamas Pläne zur Zerschlagung der größten Finanzriesen vereiteln können.
(mei)
