Privilegienkaiser und Nichtsnutzgremien:
Wie Griechenland sein Geld verschleudert
- Boni für pünktliches Erscheinen und Computerarbeit
- Ungewöhnliche Pensionsregeln für Staatsbedienstete
PLUS: Europa pumpt 110 Mrd. nach Griechenland

·Österreichs Banken
sollen Griechen helfen
Verzicht auf Spekulation
gegen den maroden Staat
·Griechen zittern vor extremem Sparplan
Bevölkerung: "Wissen, wer Preis bezahlen wird"
·EU pumpt 110 Mrd. Euro zu den Griechen
Pröll: Österreich steuert
2,28 Mrd. an Hilfe bei
·Auf Griechen wartet Herkules-Aufgabe
30 Mrd. müssen ab sofort eingespart werden
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die Sicherungen durch
Athen: Krawalle wegen angekündigter Sparpläne
·Spanien und Portugal
nächste Sorgenkinder
Weltuntergangsstimmung
auf iberischer Halbinsel
Der Rettungsplan steht, der griechische Sparstift läuft heiß, die Euroländer atmen auf. Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz - während Athen die Staatsbürger bereits auf harte Jahre einschwört, rätselt Europa: Wie schaffte es ein Elf-Millionen-Volk, einen Schuldenberg über 300 Milliarden Euro anzuhäufen? Mit viel Einfallsreichtum und einer gehörigen Portion Prasserei, wie eine NEWS.at-Übersicht zeigt.
"Es stehen uns schwierige Jahre bevor", lässt Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou seine Landsleute wissen. Denn der massive Sparkurs, der das Land aus der Schuldenkrise führen soll, wird den Griechen gar nicht schmecken. Dort ist man nämlich ganz anderes gewohnt.
So kommen Staatsbedienstete in den Genuss einer Reihe von Privilegien. Neben dem Kündigungsschutz steht es ihnen beispielsweise frei, schon vor Erreichen des 50. Lebensjahres in Pension zu gehen. Besonders ungewöhnlich: Sterben pensionierte Staatsbedienstete und hinterlassen unverheiratete oder geschiedene Töchter, beziehen diese die Rentengelder ihrer verstorbenen Eltern einfach weiter. Ein Missstand, den zu beheben die Regierung in Athen sich noch für Mai vorgenommen hat.
Aber Staatsbedienstete können in Griechenland auch während des Berufslebens auf Sondereinkünfte zählen: Wer einen Computer benutzt, Fremdsprachen beherrscht oder eben nur pünktlich am Arbeitsplatz erscheint, kann bis zu 1.300 Euro an Boni absahnen, wie Financial Times Deutschland schreibt. Immerhin haben diese Privilegien ein Ablaufdatum: Die Bonuszahlungen wurden bereits um 12 Prozent gekürzt.
Gremienkaiser Griechenland
In Griechenland hält man auf Gremien große Stücke. An Kommissionen und Ausschüssen mangelt es in dem südosteuropäischen Land nämlich wirklich nicht. Hunderte Gremien prüfen, tagen, kassieren - wobei oft nicht klar ist, zu welchem Zweck: Der griechische See Kopais verfügt beispielsweise über eine eigene Verwaltungskommission - obwohl das Gewässer seit über 70 Jahren ausgetrocknet ist! Ministerpräsident Papandreou hat allerdings auch diesbezüglich ein Einsehen: Mindestens 200 Gremien sollen in naher Zukunft zusammengelegt oder aufgelöst werden.
Erinnern Sie sich noch an die großen Proteste und Streiks, die gegen die Privatisierung der Fluggesellschaft Olympic Airways durchgeführt wurden? Das war in Griechenland kein Einzelfall: Denn der Staat verfügt über eine Vielzahl von Staatsunternehmen, die zum Teil seit Jahren defizitär oder mit einer viel zu großen Belegschaft wirtschaften - auf Kosten der griechischen Steuerzahler. Athen will allerdings reagieren und kündigte die Verschmelzung oder Veräußerung vieler staatlicher Betriebe an.
Die Rivalität mit der Türkei lässt sich Griechenland übrigens auch einiges kosten: Das griechische Rüstungsbudget verschlang im Vorjahr satte sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) - zum Vergleich: Österreich gibt weniger als ein Prozent des BIP für das Militär aus. Dimensionen, die nun auch die griechische Regierung anstreben will.
Schmerzhafte Einschnitte
An Sparpotential mangelt es Griechenland also nicht. Vor allem auf den Staat und seine Bediensteten kommen schmerzhafte Einschnitte zu. Die Regierung in Athen stürmt mit Sparplänen bereits vor - auch um den Kritikern des milliardenschweren europäischen Hilfsplans den Wind aus den Segeln zu nehmen.
(mei)
