Grüner Schwindel geht im Ölteppich unter:
Bohrinselkatastrophe kratzt am Lack von BP
- "Sauberes" Image des Energiekonzerns untergraben
- Schwarzenegger will keine neuen Bohrinseln vor USA

·Ölpest: Bevölkerung wettert gegen Obama
"Das war eine einzige Verschleierungsaktion"
·Obama: "BP wird die Rechnungen zahlen"
Ölteppich: Fieberhafte Bemühungen um Rettung
·BILDER: Der Kampf gegen die Katastrophe
Mehrere hundert Tonnen täglich ins Meer geflossen
·Ölpest kommt Obama
gar nicht gelegen
Kritik am Katastrophen- Kurs des US-Präsidenten
·Ölpest an US-Küste
immer bedrohlicher
In vier Bundesstaaten Notstand ausgerufen
·USA vor schlimmster Ölpest seit 20 Jahren
Hunderte Tier-, Vogel- & Fischarten akut bedroht
"Schmutz bremst", weiß ein Werbeplakat des Ölriesen BP. Wie sehr, muss der britische Konzern gerade im Golf von Mexiko selbst feststellen: Seit Jahren gibt BP Millionen aus, um sich ein umweltfreundliches Image zu verpassen - nun legt die Ölkatastrophe vor der Küste der USA offen, wie wenig das dreckige Geschäft mit sauberer Energie zu tun hat.
Sonnige Klänge, blumiges Logo, überall Natur: Wenn BP sich nach außen hin präsentiert, scheint alles eitel Sonnenschein. Um das Image beschmutzter Bohrinselarbeiter, Öl verbreitender Tanker und verpesteter Landstriche loszuwerden, hat die Marketingabteilung des Ölriesen nämlich schon vor Jahren tief in Tasche und Trickkiste gegriffen.
"Es steht in unserer Verantwortung, zu handeln", kündigte der damalige BP-Chef John Browne 1997 den schrittweisen Übergang des Konzerns zu "grüner" Energie an, von nun an sollte sich bei BP alles um die Erforschung alternativer Energiequellen drehen. Perfekt wurde der Imagewandel zwei Jahre später mit der Einführung des neuen grünen Logos.
Riskantes Neuland
Nach 13 Jahren ist von dieser Kehrtwende allerdings nur das aufpolierte Image übrig geblieben: Gerade einmal 0,07 Prozent des Gewinns investierte der Konzern zuletzt in die Entwicklung von Solarzellen - dafür sprudeln Ölquellen und Gewinne wieder kräftig. Um an die immer schwerer zu erreichbaren Erdölreserven zu gelangen, begibt sich BP auf Neuland. Im Golf von Mexiko bohrte man in über 10.000 Metern tiefe - so tief wagte sich noch kein anderes Unternehmen.
Für BP ist die Explosion auf der Tiefseebohrungsinsel eine Katastrophe. Zunächst werden die Säuberungsarbeiten bis zu drei Milliarden Dollar kosten. Das allein wird der britische Ölmulti zwar verkraften, immerhin fuhr man allein im ersten Quartal einen Gewinn von sechs Milliarden Dollar ein.
Deutlich schwerer wiegt allerdings der Markenschaden: "Von einem Image-Standpunkt aus gesehen, ist das sehr folgenreich. Schließlich sollen die Regierungen, die die Bohrlizenzen erteilen, die Firma als verlässlichen Partner einschätzen", ist Analyst David Hart von Westhouse Securities überzeugt. Und gerade in den USA weht BP nun ein rauer Wind entgegen: "BP ist verantwortlich für das Leck. BP wird die Rechnung bezahlen", gibt Präsident Obama die Gangart vor.
Dickes Ende droht
Auch wenn BP bereits angekündigt hat, alle Kosten für die verursachten Schäden zu übernehmen, könnte das dicke Ende für den Ölkonzern noch kommen. Inzwischen stellt auch Arnold Schwarzenegger Bewilligungen für weitere Bohrkonzessionen vor Kalifornien in Frage, zudem scharren bereits Geschädigtenanwälte in den südlichen USA in den Startlöchern. Berichte, nach denen BP bei der Sicherheit der Anlagen im Golf von Mexiko gespart hätte, heizen die Kritik an.
Selbst wenn BP unter großem Kostenaufwand das Leck der riskanten Tiefseebohrung bald versiegeln sollte, ist an einer Tatsache nicht mehr zu rütteln: Das Öl hat den grünen Lack von der Oberfläche weggespült - und das dreckige Geschäft wieder zum Vorschein gebracht.
(mei)
