1.6.2010 16:00

Ermutigende Zeichen der Hoffnung: Afrika braucht positive Impulse durch Fußball-WM

  • Bodenschätze, Gier, Elend und blutige Krisenherde
  • Geschundener Kontinent kommt nicht zur Ruhe

Afrika leidet - schon seit Jahrhunderten. Kolonialherren und Sklavenhändler, Despoten und Kriegsherren haben den Reichtum des Kontinents ausgebeutet, die Bewohner gepeinigt und missachtet. Auch ein halbes Jahrhundert der Unabhängigkeit hat vielen Staaten Afrikas nur die Fortsetzung des Elends beschert, trotz vieler Milliarden Dollar Entwicklungshilfe.

Zu Gier und Grausamkeit vieler Herrscher, zur Unfähigkeit der Regierungen und dem Mangel an Bildung der Bevölkerung gesellten sich Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen, Krankheiten wie Malaria und Aids. Nun erklären wieder einmal afrikanische Führer das Ende der finsteren Zeiten und Dauerkrise - eine glanzvolle Fußball-WM in Südafrika soll dafür Symbol werden.

Tatsächlich gibt es manch ermutigende Zeichen der Hoffnung. Vor allem wirtschaftlich. Afrika kann seit einem knappen Jahrzehnt erstmals Wachstumszahlen von über fünf Prozent vorweisen. Selbst im Krisenjahr 2009 schlugen sich die Volkswirtschaften der meisten Staaten besser als der Rest der Welt. Für 2010 und 2011 rechnet die Weltbank mit einem Wachstum von immerhin 4,8 Prozent.

Das "Neue Asien"
Glaubt man der Spur des Geldes, wird Afrika vielleicht wirklich bald das "Neue Asien", wie der indische Wirtschaftsexperte Vijay Majahan schrieb. China und Indien investieren massiv im Schwarzen Kontinent, erst vor kurzem wurde Deutschland von China in Südafrika als Außenhandelspartner Nummer eins abgelöst. Es locken Rohstoffe wie Öl, Diamanten, Kupfer und Platin, aber auch laut Experten die weltweit höchsten Profite aufs eingesetzte Kapital. Wie schon in der Vergangenheit, sind die reichen Bodenschätze aber auch heute etwa im Sudan und im Kongo Anlass neuer Konflikte und Spannungen

Die Plagen Afrikas gehören noch lange nicht der Vergangenheit an. Allein in den 39 Jahren bis 2008 wurde der Kontinent um die ungeheure Summe von 854 Milliarden Dollar (637 Milliarden Euro) geplündert. Zu diesem Ergebnis kommt das GFI-Institut in Washington (USA) in einer Ende März veröffentlichten Studie.

An dem gigantischen Diebstahl des Reichtums Afrikas - vor allem der Rohstoffe - waren demnach berüchtigte Herrscher-Cliquen wie die Mobutus (ehemals Zaire), Bokassas (Zentralafrikanische Republik) oder Mugabes (Simbabwe) beteiligt. Aber auch internationale Konzerne und die unzähligen korrupten Mitglieder weniger auffallender Regierungen in fast allen Staaten des Kontinents bedienten sich.

Während Milliarden aus dem Kontinent geschleust werden, nagt die Mehrheit der Afrikaner nach wie vor am Hungertuch. Rein nach dem Pro-Kopf-Einkommen sind laut Weltbank noch immer zehn afrikanische Staaten - wie Kongo, Liberia oder Burundi- die ärmsten Länder der Welt.

Allerdings zählen inzwischen auch schon 300 Millionen der rund eine Milliarde Afrikaner zur Mittelklasse. In Ländern wie Angola oder Nigeria kehren immer mehr hoch qualifizierte Kräfte aus den USA und Europa zurück. Doch selbst blühende Volkswirtschaften und stabilere Demokratien wie Südafrika oder Ghana leiden unter Korruption. In Staaten wie Somalia, Simbabwe oder Tschad ist Rechtsstaatlichkeit fast ein Fremdwort. In 36 der 53 Staaten Afrikas ist nach Angaben von "Transparency International" Korruption weiter an der Tagesordnung.

Zeichen der Hoffnung
Südafrika hat die Fußball-WM auch erhalten, weil dazu ein politischer Gigant und Friedensstifter wie Nelson Mandela den Weg bereitet hat. Ähnlich unbestechliche und integre Politiker sind selten. Es gibt in Afrika viele Länder, die Hoffnung machen.

Zu sind ihnen zählen neben dem erfolgreichen Schwellenland Südafrika auch kleine Staaten wie Botsuana oder Sambia, deren Regierungen klug in Infrastruktur und Bildung investiert haben. Ghanas Entwicklung zu einer stabilen Demokratie wurde 2009 mit dem Besuch von US-Präsident Barack Obama gewürdigt, der der kenianischen Heimat seines Vaters hingegen die kalte Schulter zeigte und Korruption, Machthunger und Menschenrechtsverletzungen afrikanischer Herrscher anprangerte.

Das Urlaubsparadies Kenia, einst Hort der Stabilität in einer Region voller Unruhe und Konflikte, stabilisiert sich nur langsam. Die Unruhen nach der Wahl 2007 mit dem Ausbruch von ethnischem Hass, Unruhen, bei denen mehr als tausend Menschen starben und hunderttausende flohen, währten zwei Monate.

Ruanda kann nach dem Völkermord an 800 000 Tutsi und gemäßigten Hutu im Jahr 1994 auf Wirtschaftswachstum und Auslandsinvestitionen verweisen. Doch die Herrschaft von Präsident Paul Kagame, der vor fast 16 Jahren die Mörder stürzte, trägt zunehmend autoritäre Züge.

Ungewisse Zukunft
Die Zukunft der besonders rohstoffreichen Länder wie Nigeria, Sudan oder Angola ist offen. Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, ist seit Monaten in der Krise. Der kranke Präsident Umaru Yar'Adua ist seit November nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, religiöse Unruhen und Angriffe von Rebellen im ölreichen Nigerdelta bedrohen die Stabilität des westafrikanischen Landes, das in seiner Geschichte schon mehrere Militärputschs erlebte.

Der Sudan, das größte Land Afrikas, ist vor allem im Süden noch immer gezeichnet von dem fast 20-jährigen Bürgerkrieg. Auch der Darfur- Konflikt bleibt ungelöst, 2,3 Millionen leben seit Jahren in Flüchtlingslagern. Nach der Wahl in diesem Monat wird sich zeigen, ob das Land eine Zerreißprobe vermeiden kann.

Doch neben vielen positiven Entwicklungen prägen weiter auch Staaten voller Gewalt, Chaos und Grausamkeit das Bild des Kontinents. Dem inzwischen bitterarmen Simbabwe droht trotz einer "Regierung der nationalen Einheit" wieder der Absturz, da Präsident Robert Mugabe weiter Weiße und Inder enteignen will.

Somalia, der gescheiterte Staat am Horn von Afrika, hat nach wie vor keine funktionierende Regierung. Die Übergangsregierung des gemäßigten Islamisten Sheik Sharif Ahmed hat nicht einmal die Hauptstadt Mogadischu unter Kontrolle und wird von radikalislamischen Gruppen bedrängt.

Der Bürgerkrieg im Kongo wurde offiziell zwar schon vor fünf Jahren beendet, doch im Osten des Landes wird weiter gekämpft, gemordet und vergewaltigt. Die UN spricht von einer der größten humanitären Katastrophen weltweit. Auch wenn sich positive Zeichen mehren: Afrika scheint noch lange nicht zur Ruhe zu kommen.

(apa/red)

1.6.2010 16:00
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