Bewohner wettern gegen Regierung: "Das
war eine einzige Verschleierungsaktion"
- Ölkatastrophe droht zu "Obamas Katrina" zu werden
- Boote bleiben im Hafen: Fischer stehen vor dem Ruin
Britischer Energiekonzern BP will Kosten übernehmen
·Obama: "BP wird die Rechnungen zahlen"
Ölteppich: Fieberhafte Bemühungen um Rettung
·BILDER: Der Kampf gegen die Katastrophe
Mehrere hundert Tonnen täglich ins Meer geflossen
·Ölpest kommt Obama
gar nicht gelegen
Kritik am Katastrophen- Kurs des US-Präsidenten
·Ölpest an US-Küste
immer bedrohlicher
In vier Bundesstaaten Notstand ausgerufen
·USA vor schlimmster Ölpest seit 20 Jahren
Hunderte Tier-, Vogel- & Fischarten akut bedroht

Der Ölteppich im Golf von Mexiko breitet sich immer weiter aus. Eine Katastrophe, vor allem für die Bevölkerung der Region, die bereits vor knapp fünf Jahren vom Hurrikan "Katrina" heimgesucht wurde. Der Ärger der Bewohner ist groß, besonders auf die Regierung: "Das war eine einzige Verschleierungsaktion, von Anfang an", schimpft ein Garnelenfischer von Venice. Unterdessen ist der Energiekonzern BP bereit für den Schaden zu zahlen. Wohl nur eine geringer Trost für die Einheimischen.
"Zuerst gab es angeblich nur ein einziges Leck auf der verdammten Ölplattform, alles angeblich ganz harmlos", wettert David Buorjois. "Doch jetzt stellt sich Schritt für Schritt heraus, dass es mehrere Lecks gibt und wir hier mitten im Desaster sitzen." Die Männer, die an der Marina um ihn herum stehen, nicken. "Sie haben uns einfach nicht die Wahrheit gesagt", meint einer. "Desaster in slow motion", nennt er das. Katastrophe in Zeitlupe - besser kann man das, was sich derzeit vor den Küsten Louisianas abspielt, gar nicht ausdrücken.
Die Betroffenen und die Regierung - hier in Venice sind das derzeit zwei getrennte Welten, die Schwierigkeiten haben, eine gemeinsame Sprache zu finden.
Fischern droht der Ruin
Die Fischerboote heißen hier "Lady Lois" oder "Miss Sunnie Lynn", Frauennamen dominieren. Doch obwohl die Hauptsaison der Shrimpfischer gerade begonnen hat und die Austernsaison auf dem Höhepunkt ist, sind die Boote schon seit Tagen nicht mehr ausgelaufen. Den Fischern droht der Ruin. Um überhaupt etwas zu tun, um nicht ins Grübeln zu verfallen, reparieren die Männer ihre Boote.
Dass ihr Präsident jetzt eigens nach Louisiana kommt, lässt sie kalt, interessiert bestenfalls am Rande. "Dazu hab' ich keine Meinung", sagt der junge Shrimpfischer namens Ray. Es klingt ziemlich abfällig. "Er wird wohl keine Ölsperren aussetzen". Das klingt mehr als nur abfällig. "Was hat Obama uns schon zu sagen?", meint sein älterer Kollege.
Obama will "Katrina-Effekt" vermeiden
Obama geht es darum, mit seiner Kurzvisite in Louisiana den "Katrina-Effekt" zu vermeiden. Sein Vorgänger George W. Bush hatte damals bei dem schweren Hurrikan Wochen gezaudert, bevor er das Katastrophengebiet in der Region New Orleans mit einem Hubschrauber überflog - der Imageschaden für Bush war enorm, er erschien herzlos und ohne Mitleid.
Katastrophe in Zeitlupe: Alle Beteiligten haben die Folgen des Unfalls grob falsch eingeschätzt. Zunächst hatten die Verantwortlichen des britischen BP-Konzern die Gefahr eines Lecks gar nicht erwähnt. Als die Bohrinsel später sank, war zuerst von einem eher kleineren Leck die Rede.
Energiekonzern BP will zahlen
Mittlerweile hat BP angekündigt, den Schaden in Verbindung mit der Ölpest zu tragen. Der Energiekonzern werde "alle nötigen und angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es in einer Mitteilung auf einer eigens eingerichteten Internetseite. Obama befürchtet unterdessen die schwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes. "Wir haben es hier mit einer gewaltigen und möglicherweise beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte er bei einem Besuch im betroffenen Küstenstaat Louisiana.
Hunderte Vogelarten gefährdet
Die Katastrophe breitet sich schleichend aus - doch bedroht ist das riesige Mississippi-Delta und sein hochanfälliges Marsch- und Sumpfland, in dem Hunderte verschiedene Vogelarten leben, darunter Pelikane und Reiher. Um die Vögel vor dem Öl zu bewahren, sollen sie mit Feuerwerken und anderen lauten Geräuschen vertrieben werden. "Doch es ist derzeit Brutzeit", erklärt ein Umweltschützer. Die jungen Vögel können noch nicht wegfliegen. "Eine ganze Generation von Jungvögeln könnte vernichtet werden."
(apa/red)
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