Dienstag, 4. Mai 2010

"Carmen"-Aufführung in der Staatsoper:
Anna Netrebko war nahe an der Perfektion

  • Opern-Star begeisterte in der Rolle der Micaela
  • Auch lettischer Dirigent hinterließ seine Visitenkarte

Die musikalische Neuinszenierung von Georges Bizets "Carmen" an der Staatsoper war geprägt von Absagen und Ausfällen. Dass bei der ersten Vorstellung dann doch (fast) alles gut wurde, muss man zwei Namen zuschreiben: Dem jungen lettischen Dirigenten Andris Nelsons, der den Abend als Orchesterfest gestaltete sowie einer überragenden Anna Netrebko als Micaela.

Nadia Krasteva in der Titelrolle und "Ersatz" für Garanca schlug sich wacker - wenn auch nicht überragend. Am Schluss blieb erlösender Jubel.

Lettischer Shooting-Star überzeugte
Es hätte wohl keinen besseren Einspringer für Mariss Jansons geben können als dessen Schüler Nelsons. Nachdem der Altmeister aufgrund seines schlechten gesundheitlichen Zustands absagen musste, sprang der lettische Shooting-Star ein, der Pult und Musiker schon durch seinen körperlichen Einsatz in musikalische Geiselhaft nahm. Nelsons hinterließ mit der Neuausrichtung dieser Oper eine Visitenkarte in Wien, die man schnell wieder hervorkramen sollte.

Krallen und Temperament
Als "die richtigere Carmen" hatte Staatsopern-Direktor Ioan Holender seinen Schützling Krasteva bezeichnet, "Carmen ist kein Kätzchen, sondern ein Panther", drohte die Mezzosopranistin selbst an, was die gebürtige Bulgarin auch verwirklichte: Krallen, Temperament und lasziver Tanz beherrschten Franco Zeffirellis naturalistische aber fantasievolle Bühne von 1978.

Netrebko ließ alle hinter sich
Kurz, aber alles hinter sich lassend, trat Netrebko auf. Mit Zöpfchen und Körbchen zeigte die Unschuld vom Lande, wie man (ohne böse Absicht) das restliche Ensemble hinter sich lässt. Nahtlose Glissandi, tränentreibendes Sentiment und lyrische Gestaltungskraft nahe an der Perfektion.

(apa/red)

4.5.2010 11:07