Freitag, 7. Mai 2010

Hunderte Briten konnten nicht bei der Wahl mitmachen: "Das ist ein absoluter Skandal"

  • Wütende Menschen wollten Wahllokal nicht verlassen
  • "Klapprige, viktorianische Infrastruktur" überfordert
    Tories und Labour streiten um Regierungsanspruch

Nach massiven Problemen bei der Stimmabgabe könnten die Ergebnisse der britischen Unterhauswahl in einigen Wahlkreisen angefochten werden. Wegen eines überraschend starken Andrangs in den Wahllokalen wurden am Donnerstagabend Hunderte Wähler abgewiesen und nach Hause geschickt. Betroffene sprachen von einem "absoluten Skandal". Die Wahlkommission werde die Probleme untersuchen, sagte ihre Vorsitzende Jenny Watson.

Die "alte, klapprige, viktorianische Infrastruktur" Großbritanniens sei nicht für moderne Wahlen ausgelegt, sagte Watson. In Wahlkreisen, in denen die Abstimmung nicht korrekt durchgeführt worden sei, könnten die Ergebnisse angefochten werden, erklärte sie laut einer Meldung der britischen Nachrichtenagentur PA.

Spitzenkandidaten besorgt
Premierminister Gordon Brown äußerte sich nach Angaben eines Sprechers "sehr besorgt" und erklärte laut PA, er werde eine Untersuchung unterstützen. Der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Nick Clegg, erklärte, solche Probleme dürfe es "in unserer Demokratie niemals wieder geben". Der Chef der Konservativen, David Cameron, sagte, die neue Regierung müsse sich dringend des Themas annehmen.

Von den Problemen betroffen waren unter anderem Wähler in London, Sheffield, Manchester und Birmingham. Vor einigen Stimmlokalen gab es offenbar kurz vor der Schließung noch regen Andrang. Laut PA stellten sich Wahlberechtigte mehr als zwei Stunden lang an. Einige erklärten einem BBC-Bericht zufolge, sie seien abgewiesen worden, als sich kurz vor Schließung um 22.00 Uhr lange Schlangen vor dem Wahllokalen gebildet hätten.

"Absoluter Skandal"
In London wurde die Polizei gerufen, als rund 50 wütende Stimmberechtigte ein Wahllokal nicht verlassen wollten. Eine Frau aus Hackney, Liz Veitch, hatte nach eigenen Angaben eineinhalb Stunden gewartet, bevor sie nach Hause geschickt wurde. "Das ist ein absoluter Skandal", sagte Veitch. Berichten zufolge versuchten verhinderte Wähler an mehreren Orten, den Abtransport der Wahlurnen zu verhindern.

(apa/red)

7.5.2010 14:37