Dienstag, 4. Mai 2010

Karl will beim Uni-Zugang eine Lösung bis zum Sommer: Schmied bereit für Gespräche

  • "Knockout-System": Ministerin weist Vorwürfe zurück
  • Nur etwa 60 Studenten bei angekündigter Demo

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) wünscht sich bei der von ihr vorgeschlagenen Neugestaltung der Studieneingangsphase (STEP) eine Lösung noch vor dem Sommer. Man brauche rasch eine Lösung, deshalb würden die Gespräche mit dem Koalitionspartner nun zügig beginnen, sagte Karl vor dem Ministerrat. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) zeigte sich bereit für konstruktive Gespräche.

Wirksam werden soll die neue Regelung erst ab dem Studienjahr 2011/2012, erklärte Karl, denn die Unis bräuchten Zeit für die Umsetzung. Schmied betonte, dass es für eine Beurteilung des Vorschlags noch viel zu früh sei, denn man stehe erst am Beginn. Klar sei für sie, dass der Zugang zu den Hochschulen frei bleiben, aber auch geordnet werden müsse. Kritik der Hochschülerschaft (ÖH), wonach die STEP Neu das Ende des freien Hochschulzugangs bedeuten könnte, wies Schmied zurück: Es komme ganz auf die Gestaltung an. Man müsse intensive und große Gespräche über das Universitätsgesetz (UG) führen, Schmied möchte dabei beispielsweise auch über ein Studienplatzfinanzierungsmodell sprechen.

Verschiedene Modelle
Dass am Ende der STEP Neu nur eine Prüfung über den Erfolg entscheidet, könne sie sich nicht vorstellen, so Schmied. Karl verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es verschiedene Modelle gebe, etwa mehrstufige Verfahren, auch könne man auf die Besonderheiten der einzelnen Studienrichtungen eingehen und den Unis Spielraum geben. Sie könne sich auch vorstellen, dass es bei einzelnen Studien durchaus eine Festlegung der Studienplätze geben könnte.

"Qualitatives Aufnahmeverfahren"
Dass dies einem Knockout-System gleichkommen könnte, wies die Wissenschaftsministerin zurück. Es gehe um ein qualitatives Aufnahmeverfahren, das Ziel seien nicht weniger Studenten, sondern eine bessere Verteilung, denn derzeit würden 60 Prozent der Studierenden zehn Prozent der Fächer wählen.

Zugangsbeschränkungen für Publizisten
Der Ministerrat hat gemäß dem Notfallsparagrafen des UG eine Verordnung beschlossen, mit der Zugangsbeschränkungen für das Publizistikstudium ermöglicht werden. Bei den beantragten Beschränkungen für Architektur sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Wirtschaftsuniversität (WU) konnte sich die Regierung nicht auf eine Lösung einigen. Diese würden nun auf die Studieneingangsphase Neu verwiesen, so Karl. Sie sei an einer schnellen Lösung interessiert gewesen, die SPÖ habe diese aber abgelehnt.

"Knockout-Prüfungen unfair"
Auf die Frage, ob die Studieneingangsphase Neu ein Ersatz für den sogenannten Notfallparagrafen im UG sein solle, meinte Karl: Dieser habe sich als unzureichend erwiesen und berge außerdem Rechtsunsicherheit. Es brauche aber Klarheit und Transparenz für die Studierenden und Planbarkeit für die Universitäten, Knockout-Prüfungen seien unfair.

Nur wenige Demonstranten
Zur angekündigten Demonstration der ÖH gegen die geplante Neuregelung der STEP haben nur wenige Personen den Weg vor das Bundeskanzleramt gefunden: Die laut Polizei etwa 60 Studierenden verlangten freien Hochschulzugang und mehr Geld für die Bildung und warfen sich als Demonstration von Knockout-Prüfungen auf den Boden.

(apa/red)

4.5.2010 13:56