Menschliches Versagen wohl Unfallursache:
U-Bahn-Fahrer übersah Frau und ihr Kind
- Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung folgt
- Bub auf dem Weg der Besserung - Fahrer freigestellt
Ermittlungen der Polizei noch nicht abgeschlossen

Der U-Bahnunfall, bei dem am Freitag ein Fünfjähriger von einem Zug eingeklemmt und mitgeschleift worden ist, ist offenbar auf menschliches Versagen zurückzuführen. Laut eines ersten Berichtes der Wiener Linien dürfte der U-Bahnfahrer das Kind und die Mutter übersehen haben. Der Mann wird nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung zur Anzeige gebracht, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger.
"Er sagt, dass er sich nicht daran erinnern kann, jemanden gesehen zu haben", so der Sprecher der Wiener Linien, Answer Lang. Der Fahrer wurde bereits am Wochenende vom Dienst frei gestellt, der Bub befand sich weiter am Weg der Besserung.
Der Fahrer hätte laut dem Bericht die Mutter und das Kind unmittelbar vor dem Losfahren sehen müssen - auch wenn diese erst während der Abfertigung im Türbereich waren. Diesen letzten Blick dürfte der Fahrer allerdings nicht getätigt haben.
Notbrems-System spielte eine Rolle
Ein weiterer Faktor bei dem Unfall war laut dem Bericht das Notbrems-System, das eigentlich dazu eingerichtet worden ist, um Rettungsaktionen sicherer und schneller zu machen. Wenn der Zug wie bei dem Unfall am Freitag zum Großteil die Station verlassen hat, wird er erst in der nächsten Station durch die Notbremsung zum Stehen gebracht.
"Dadurch soll verhindert werden, dass mögliche Rettungs- oder Evakuierungswege durch den Tunnel verlaufen, sondern Hilfsmaßnahmen unter guten Bedingungen in einer Station erfolgen können", hieß es seitens der Wiener Linien. Diese sogenannte "Notbremsüberbrückung" ist seit der Katastrophe von Kaprun bei allen Bahn-Tunnels in Österreich Standard und von den Sicherheitsbehörden vorgeschrieben.
Die Wiener Linien reagierten mit einem Maßnahmenbündel auf den Unfall: Das System der Sicherheitseinrichtungen in der U-Bahn wird überprüft, alle rund 4.400 Türen der insgesamt über 100 U-Bahn-Züge werden in den nächsten vier Wochen auf ihre korrekte Schließweise hin überprüft, in der Ausbildung und den Wiederholungsschulungen der Fahrer soll die korrekte Abfertigung des Zuges intensiver behandelt werden.
Ermittlungen noch nicht abgeschlossen
Die polizeilichen Ermittlungen dürften in Kürze abgeschlossen sein. Die U-Bahn-Garnitur wurde von Spurensicherungsexperten fotografiert und zu Beweissicherungszwecken untersucht, ein Sachverständigengutachten eines Ziviltechnikers mit einer Gutachtenerstattung in die Wege geleitet. Die Mutter des Buben konnte allerdings noch nicht vernommen werden. (apa/red)
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