Mittwoch, 28. April 2010

Leistung ist nicht alles

  • Nina Strasser über den Vorteil, Randsportart zu sein

Was ist in Österreich eine "Randsportart"? Eine Disziplin, in der die rot-weiß-rote Nation international mäßig erfolgreich ist (wie Fußball)? Wohl nicht. Eine, an deren Wettkämpfen eine leicht überschaubare Anzahl von Ländern teilnimmt (wie Skifahren)? Aber nein! Vielleicht die Formel 1, weil kein österreichischer Fahrer an Rennen teilnimmt? Ganz falsch! Am Sonntag ist in Wien die Judo-EM zu Ende gegangen. Österreich holte vor den Augen von Peter Seisenbacher, dem ersten Judoka der Welt, der zweimal Olympiagold gewann, drei Medaillen. Nach Segeln ist der japanische Kampfsport die erfolgreichste rot-weiß-rote Sommerdisziplin der vergangenen 50 Jahre, er wird weltweit in 200 Ländern betrieben und ist in Österreich Randsport. Das äußert sich darin, dass – wenn nicht der russische Ministerpräsident Wladimir Putin bei der EM aufkreuzt – minimal berichtet wird. Ein Umstand, der die Sportler ärgert, einem Verband aber auch Vorteile bringt. Zum Beispiel, von der Öffentlichkeit unbeachtet, an überholten Strukturen festzuhalten. So sind erfolgreiche Sportarten bereits von der Bildfläche verschwunden. Oder wer hätte vermutet, dass Gewichtheber die meisten österreichischen Medaillen bei Sommerspielen holten?

28.4.2010 15:48