Die Angst vor einem zweiten Domino-Effekt:
Pröll verteidigt Feuerwehraktion für Athen
- Finanzminister: 'Zweites Lehman Brothers vermeiden'
- Österreich könnte mit bis zu zwei Mrd. Euro aushelfen

·Griechenland am finanziellen Abgrund
Athen braucht Finanzhilfe von bis zu 135 Mrd. Euro
·Spanien und Portugal
nächste Sorgenkinder
Weltuntergangsstimmung
auf iberischer Halbinsel
·Merkel drängt auf rasche Entscheidung
Finanzhilfe an Griechen erst nach Beratungsende
·Österreichs Banken trifft es nur am Rande
Institute bleiben von Krise
Griechenlands verschont
Finanzminister Josef Pröll hat die geplante Finanzhilfe der EU und des IWF für Griechenland verteidigt. "Wir befinden uns derzeit in einer Feuerwehr-Situation in der Eurozone. Wir müssen alles tun, um einen Domino-Effekt wie bei Lehman Brothers zu vermeiden", sagte Pröll.
Die österreichische Politik ist generell uneins darüber, ob gegenüber Griechenland eine harte oder weiche Linie gefahren werden soll. Zu den Falken gehören Vertreter von FPÖ und BZÖ, die die Griechen am liebsten aus der Eurozone ausschließen würden - was Finanzminister Josef Pröll (V) scharf zurückwies. Pröll verteidigte erneut die geplante Finanzhilfe für Griechenland. Falls es notwendig werde, mehr als 2 Mrd. Euro an Kredit zu gewähren, müsse das Zahlungsbilanzstabilisierungsgesetz entsprechend geändert werden, kündigte der Finanzminister bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt an.
"Griechenland nicht alleine lassen"
Auch der Vizepräsidenten der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Hannes Swoboda, hält nichts von einem Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone. Nach Ansicht des Grünen Finanzsprechers Werner Kogler darf man Griechenland jetzt nicht alleine lassen, für Hilfen sollte es aber wie in Deutschland einen Parlamentsbeschluss geben. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) sieht durch die Ereignisse Österreichs Weg der Budgetsanierung bestätigt. "Wir müssen den Staatshaushalt rasch und tiefgreifend sanieren."
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sieht auch die Rolle der Ratingagenturen bei der Griechenland-Krise kritisch. Leitl forderte heute neuerlich die Einrichtung einer europäischen Ratingagentur.
Nationalbank stellt vier Milliarden bereit
Von österreichischer Seite wird sich nicht nur der Finanzminister, sondern auch die Oesterreichische Nationalbank an Rettungsmaßnahmen für in Not geratene Staaten beteiligen und hat zu diesem Zweck dem IWF rund 4 Mrd. Euro zugesagt, die aber nicht für Griechenland allein sondern bestimmt sind: Man habe diese Zusage unabhängig von der Griechenland-Krise schon seit längerer Zeit geplant, heißt es seitens der OeNB. Der IWF hat Mitte April die Kapitalausstattung seiner Kredit-"Fazilitäten" verzehnfacht. Der Topf mit dem Namen "New Arrangements to borrow" (NAB) umfasst künftig 367,5 Mrd. Sonderziehungsrechte (SZR), umgerechnet gut 404 Mrd. Euro für alle Länder weltweit .
(apa/red)
