Jose Mourinhos "süßeste Niederlage":
Italiens Gazetten feiern 'episches Inter'
- CL. Barcelona zerschellte am Mailänder Beton
- Italiener im Finale um ersten Triumph seit 1965
·Mauer-Taktik bringt
Inter ins CL-Endspiel
Mailänder schalten Barca mit Gesamtscore 3:2 aus
·"Wir haben noch nichts gewonnen"
Louis van Gaal bucht mit Bayern Flug nach Madrid
·Keine Gnade für
"Treter" Ribery
Drei Spiele Sperre: Im CL-Finale nur Zuseher

Nach dem "schönsten Moment" seiner Karriere brachen bei Jose Mourinho alle Dämme. Mit einem Sprint über das halbe Spielfeld, den Zeigefinger hoch erhoben, feierte Inter Mailands Star-Coach die 0:1-Niederlage gegen den FC Barcelona ausgelassen. Mit einer defensiven Meisterleistung buchte Italiens Meister im vorgezogenen Finale der Champions League das Ticket zum Endspiel in Madrid, in dem Inter gegen Bayern München am 22. Mai nun als Favorit gelten darf.
"Das ist die süßeste Niederlage meiner Karriere", erklärte ein emotional ungewohnt mitgenommen wirkender Mourinho nach der Kraftprobe im Camp Nou. "Ich habe die Champions League bereits gewonnen, aber heute Abend war das Gefühl noch besser, weil ich bis zur letzten Sekunde nicht sicher war, ob wir weiterkommen. Das ist ein Segen."
Italiens Gazetten feierten den 47-Jährigen natürlich euphorisch. Von einem "epischen Inter" und "heldenhaften Löwen von Mourinho" schwärmte die "Gazzetta dello Sport". Inters Präsident Massimo Moratti bezeichnete seinen Trainer als "wahres Phänomen". Rund 1.000 Anhänger empfingen ihre Mannschaft am Flughafen und feierten ausgerechnet jenen Mann ausgelassen, der in der Vergangenheit wiederholt seine Abneigung zu Italiens Fußball geäußert hatte. Doch der Erfolg gab Taktikfuchs Mourinho auch in Barcelona Recht.
Erfolgreiche Abwehrschlacht
Nach dem frühen Ausschluss von Thiago Motta (28.) auf zehn Mann reduziert, lieferte Inter eine wahre Abwehrschlacht - und Barcelonas Tempo-Dribbler um Weltfußballer Lionel Messi liefen auf den von Mourinho kräftig angerührten Beton auf. Der Titelverteidiger stürmte zwar unaufhörlich, aber mit untauglichen Mitteln gegen das Bollwerk der "Nerazzurri" an. Der Treffer des in höchster Not aufgerückten Gerard Pique in der 84. Minute kam zu spät. Obwohl der Ball nach der Führung nicht mehr 76 Prozent, sondern gefühlte 100 Prozent in den Reihen der Katalanen zirkulierte, war für den Titelverteidiger die Wende nach dem 1:3 in Mailand außer Reichweite.
"Die Enttäuschung ist riesig. Im Semifinale kommt es auf winzige Details an. Vergangenes Jahr lief es zu unseren Gunsten, dieses Mal kam es anders", analysierte Pep Guardiola die Partie. Der Erfolgscoach der Katalanen musste am Ende eingestehen, dass seine Torfabrik an ihre Grenze gestoßen war. "Ich weiß, wir sind Barca. Aber wenn neun Spieler den gegnerischen Strafraum verteidigen, ist es nicht leicht. Aber wir suchen keine Entschuldigungen. Glückwunsch an Inter."
Scharmützel mit Valdes
Während Barcas Kicker auf dem Spielfeld ihren Frust verdauen mussten, feierte Inter sehr zum Ärger der Katalanen den ersten Finaleinzug seit 1972 ausgelassen. So war es auch kein Wunder, das die Sprinkler-Anlage im Camp Nou ausgerechnet im Jubel der Mailänder anging. Der von den Heim-Fans bereits vor Anpfiff gnadenlos ausgepfiffene Mourinho machte seiner Genugtuung mit aufreizender Gestik nach dem Schlusspfiff besonders Luft und lieferte sich auf dem Spielfeld einen Disput mit Barcelonas Keeper Victor Valdes.
Auch im Interview-Marathon konnte sich der portugiesische Exzentriker, der mit dem FC Porto 2004 die Champions-League-Trophäe geholt hatte, einen Seitenhieb nicht verkneifen. "Ich denke, eine Mannschaft, die alles gewonnen hat, weiß nicht, wie man verliert", meinte Mourinho, der aber auch sarkastisch hinzufügte: "Sie sind eben schlechte Verlierer - so wie ich es bin."
Mit Van Gaal wartet auf Inters Weg zur erste Trophäe in Europas Fußball-Königsklasse seit 1965 deshalb ein alter Bekannter an der gegnerischen Seitenlinie. Der Niederländer aufseiten der Bayern freute sich auf das Duell "mit meinem Freund Jose Mourinho". "Das ist auch ein Spaß", sagte Van Gaal, der sich außerdem über seinen Wunschgegner freuen durfte: "Gegen Inter haben wir etwas mehr Chancen als gegen Barcelona."
(apa/red)
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