Dramatischer Wettlauf gegen die Zeit:
USA steht vor riesiger Öko-Katastrophe
- Öl-Teppich erreicht US-Küste im Golf von Mexiko
Hunderte Tier-, Vogel- und Fischarten akut bedroht - Kritik am Krisenmanagement der Obama-Regierung

In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit versuchen die USA, eine Öl-Pest beispiellosen Ausmaßes an ihrer Südküste doch noch zu verhindern. "Wir schaffen alles heran, um den Öl-Teppich zu bekämpfen", sagte Konteradmiralin Sally Brice-O'Hara von der Küstenwache. Erste Ausläufer des Teppichs, der sich nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko gebildet hat, erreichten die Küste von Louisiana, die für ihre Fischgründe und Rückzugsgebiete für Vögel berühmt ist. Experten erwarten Schäden in Milliarden-Höhe.
Bisherige Bemühungen, den Öl-Teppich zu stoppen, sind gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden Tausende Sperren ins Wasser gelassen. Präsident Barack Obama sicherte zu, alle notwendigen Schritte zur Eindämmung des Öl-Teppichs einzuleiten, der mittlerweile 193 Kilometer lang ist. Die Streitkräfte verstärkten ihre Abwehrmaßnahmen. Verteidigungsminister Robert Gates prüfte eine Anfrage aus Louisiana, den Einsatz von bis zu 6.000 Nationalgardisten zu bezahlen.
Auf dringende Bitte des Präsidenten sollten sich Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und andere Regierungsmitglieder bei einem Überflug über das betroffene Seegebiet einen Eindruck verschaffen. Napolitano erklärte die Öl-Pest zu einer Angelegenheit von nationaler Bedeutung. Damit können Bundesmittel zur Unterstützung der Bundesstaaten mobilisiert werden. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal rief noch am Donnerstag den Notstand aus. Sein Kollege Charlie Crist aus Florida folgte und verhängte über die als "Pfannengriff" (Panhandle) bekannten Bezirke im Nordwesten des Staates den Notstand.
Obama unter Druck
Obama steht bei der Krisenbewältigung unter erheblichem Erwartungsdruck. Seinem Vorgänger George W. Bush war vorgeworfen worden, zu spät auf den Hurrikan "Katrina" reagiert zu haben, der das gleiche Gebiet 2005 verwüstet hatte. Auch Obamas Regierung wird vorgeworfen, zu spät auf die sich abzeichnende Katastrophe reagiert zu haben.
Der Präsident bekräftigte, an der nationalen Förderung von Öl als Beitrag zur Energiesicherheit festzuhalten. Das müsse aber verantwortungsbewusst geschehen. Künftig würden Genehmigungen für Bohrungen vor der Küste nur erteilt, wenn die Sicherheit für Arbeiter und Umwelt gewährleistet seien. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich die Öl- und Gassuche in küstennahen Gewässern gebilligt, die nun erst einmal ausgesetzt wurde.
Der Öl-Konzern BP als Haupteigner der "Deepwater Horizon" erklärte sich inzwischen bereit, wie von Obama verlangt für die Beseitigung der Folgen aufzukommen. Firmenchef Tony Hayward sagte in einem Reuters-Interview, das Unternehmen übernehme die volle Verantwortung und werde berechtigte Ansprüche von Betroffenen erfüllen.
Der Fischerei und dem Tourismus in der Region, die sich gerade erst von den Folgen "Katrinas" erholt haben, drohen schwere Schäden. Experten gehen davon aus, dass das Öl Umweltschäden anrichten wird, die nur schwer zu beseitigen sein werden. Die Küstengewässer und Sumpfgebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikanen sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Meeresfrüchten wie Austern, Krabben Muscheln und Fische.
(apa/red)
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