Missbrauchsopfer zu Gast im Parlament:
Grüne fordern Zugang zu Kirchenarchiven
- Alle Parteien bekunden Interesse an Verbesserungen
- Opfervertreter zufrieden mit Hearing im Hohen Haus

·Missbrauch: Bislang 100 Opfer gemeldet
Opferschutzkommission vermeldet erste Bilanz
·Der Kirche laufen ihre Schäfchen davon
Zahl der Kirchenaustritte um 43 Prozent gestiegen
·Missbrauch: Klasnic jetzt Opferbeauftragte
Austrittswelle bei den heimischen Diözesen
Durchaus zufrieden hat sich die Plattform "Betroffene Kirchlicher Gewalt" nach dem Hearing im Parlament gezeigt. Sämtliche Parteien hatten Vertreter entsandt, bis zum Ende blieben allerdings nur die Grünen. Deren Justizsprecher Albert Steinhauser forderte bei einer Pressekonferenz Zugang zum Archivmaterial der Kirche, finanzielle Unterstützung der unabhängigen Opferhotline sowie die kommissionelle Behandlung von Missbrauchsfällen in staatlichen Heimen.
Neben den Vertretern der Grünen, Justizsprecher Steinhauser und Familiensprecherin Daniela Musiol, waren zum Runden Tisch noch die Familiensprecher Ridi Steibl (V), Anneliese Kitzmüller (F) und Ursula Haubner (B) entsandt worden. Die SPÖ hatte eine parlamentarische Mitarbeiterin geschickt. Unzufrieden mit der Besetzung waren aber weder Opfer- noch Grünenvertreter. Steinhauser zeigte sich froh, dass sich in dieser Angelegenheit erstmals alle Parteien an einem Tisch befunden hatten, Manfred Deiser von der Plattform ortete durchwegs "Wohlwollen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen". Alle Parteien hätten zugesichert, die Fragen der Opfervertreter zu beantworten.
Die zehn Fragen der Plattform wurden unter dem Titel "Missbrauch und Verbrechen in der Kirche" an die Parteien weitergereicht. Stellung nehmen soll die Politik zu den Komplexen Verjährung, Aufarbeitung, Beweissicherung, Melde- und Anzeigepflicht, Entschädigung und zu der von Kardinal Christoph Schönborn eingerichteten Opferanwaltschaft unter Waltraud Klasnic.
"Lastwagen voll mit Dokumenten"
Einen "Lastwagen voll" mit Dokumenten aus den Diözesen, der an die geforderte staatliche Untersuchungskommission gehen soll, erwartet sich nun Steinhauser - zumindest mit jenen Materialien, die sich noch in Österreich befinden und nicht im Vatikan gelandet sind. Weiters haben die Grünen einen Antrag zur Finanzierung der unabhängigen Opferhotline eingebracht, berichtete Musiol - "damit man gut weiterarbeiten kann". Und auch Missbrauchsfälle in Bundes- sowie Landesheimen wollen die Grünen von der geforderten staatlichen Kommission nun untersucht sehen. Steinhauser: "Ich habe den Eindruck, manche sind glücklich, dass man sich hinter der Kirche verstecken kann."
Die Pressekonferenz wurde schließlich abgebrochen, nachdem offensichtliche Opfervertreter versucht hatten, sich lautstark medial Gehör zu verschaffen.
Zum Thema Missbrauch erneut zu Wort gemeldet hat sich auch SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim. Er forderte am Rande einer Pressekonferenz einmal mehr eine staatliche Kommission zur Aufklärung der zahlreichen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Die Betroffenen hätten zu Recht kein Vertrauen in die "Klasnic-Kommission", betonte Jarolim. Es sei "keine gute Geste" gewesen, dass die Kirche selbst bestimme, wer die Vorwürfe in den eigenen Reihen untersucht.
(apa/red)
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