Dienstag, 27. April 2010

Zwanzig Jahre Haft für Raubmord in Wien:
Täter erbeutete 30 Euro und ein Mobiltelefon

  • Wien: Passantin wehrte sich mit Händen und Füßen
  • 39-jähriger Ungar erbat sich Bedenkzeit nach Urteil

Jener 39-jährige Ungar, der am 4. März 2009 in Wien-Hernals in räuberischer Absicht eine 41 Jahre alte Bankangestellte erstochen hatte, ist im Straflandesgericht wegen Raubmordes zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der Spruch der Geschworenen fiel mit 5:3 Stimmen knapp zugunsten der Mordanklage aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Mann erbat Bedenkzeit.

Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Die Referentin der Österreichischen Nationalbank hatte sich auf dem Nachhauseweg befunden, als ihr gegen 22.00 Uhr der wenige Meter vor ihrer Wohnung in der Dornbacher Straße der Ungar gegenübertrat, sie mit einem Messer bedrohte und ihr im weiteren Verlauf dreimal in den Rücken stach, weil sie ihre Handtasche nicht hergeben wollte.

"Ich bin verantwortlich für den Tod dieser Frau", hatte der Angeklagte im Rahmen der zweitägigen Verhandlung erklärt. Er habe sie allerdings nicht umbringen, sondern ihr lediglich die Brieftasche abnehmen wollen: "50 bis 100 Euro hätten mir gereicht." Die gebürtige Russin habe allerdings "keine Angst bekommen". "Sie hat mich an den Füßen festgehalten mit beiden Händen." Weil sie nicht losließ, habe er mit dem Messer "hingeschlagen". Der Gerichtsmediziner zählte an der Leiche drei wuchtige Stichwunden, wobei der letze mit derartiger Gewalt geführt wurde, dass das Messer in der Wirbelsäule steckenblieb.

Der Räuber erbeutete 40 Euro und ein Mobiltelefon. Das Opfer starb am Weg ins Krankenhaus. Der Täter wurde knapp zwei Wochen später ausgeforscht und festgenommen. Wie sich herausstellte, war der Ungar bereits Ende Jänner nach Österreich gekommen, weil er in seiner Heimat wegen mehrerer Vermögensdelikte zur Verhaftung ausgeschrieben war. In Wien versuchte er, zu Geld zu kommen, indem er ab Ende Februar Raubüberfälle beging.

(apa/red)

27.4.2010 20:21