"Rasch und unbürokratisch helfen": Team
der Opferschutzkommission vorgestellt
- Klasnic wählte betont kirchenferne Personlichkeiten
- Erste Bilanz: Bislang meldeten sich hundert Opfer
·Der Kirche laufen ihre Schäfchen davon
Zahl der Kirchenaustritte um 43 Prozent gestiegen
·Missbrauch: Klasnic jetzt Opferbeauftragte
Austrittswelle bei den heimischen Diözesen
·Schönborn: Schuld-
Bekenntnis für Kirche
Bußgottesdienst in Wien zu Missbrauchsskandal
·NEWS: Klasnic kommt
bei Österreichern an
Kirchen-Opferanwältin
laut Umfrage gute Wahl
·Missbrauchsfälle: Die Hoffnung stirbt zuletzt
Papst-Sprecher sieht Kirche auf richtigem Weg

Die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferanwältin für kirchliche Missbrauchsfälle, Waltraut Klasnic, hat sich in ihre Opferschutzkommission einige prominente Namen geholt und sich offensichtlich bemüht, dem Vorwurf der Kirchennähe entgegenzutreten. Unter den acht Mitgliedern, von denen einige durchaus als kirchenkritisch durchgehen können, finden sich etwa die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Brigitte Bierlein, der Präsident der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring", Udo Jesionek, oder der frühere Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz. Auch der Publizist und frühere Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche", Hubert Feichtlbauer, ist dabei.
An die 100 Opfer haben sich bisher bei der von Waltraud Klasnic geleiteten Opferanwaltschaft für kirchliche Missbrauchsfälle gemeldet. Ziel der Einrichtung ist es, bis Ende des Jahres einen Überblick zu haben, hieß es bei der Vorstellung des Teams. Klasnic kündigte auch an, bis dahin Vorschläge und Richtlinien für die römisch-katholische Kirche in Österreich zum Umgang mit Missbrauchsfällen zu erarbeiten.
Rund 50 Experten würden derzeit vonseiten der Opferanwaltschaft für Gespräche und Behandlung zur Verfügung stehen. Noch in dieser Woche werde die Konstituierung erfolgen, ein Büro in der Bösendorferstraße 4 in Wien sei bereits eingerichtet, ebenso wie eine Homepage mit der Adresse www.opfer-schutz.at. Klasnic selbst ist in ihrer Kommission Vorsitzende ohne Stimmrecht, die Mitglieder würden lediglich die Spesen vergütet bekommen. Von Schönborn sei die notwendige Unterstützung zugesichert, wie hoch diese sei, könne man noch nicht sagen.
Unabhängigkeit betont
"Ich werde mit den Opfern, wo es gewünscht ist, in direkten Kontakt treten", versicherte Klasnic. Zusätzlich dabei sein würden ein Psychologe sowie ein Anwalt. Aber auch die Betroffenen seien berechtigt, eine Begleitperson mitzunehmen, erläuterte die ehemalige steirische Landeshauptfrau die angedachte Vorgehensweise. Ein weiteres Ziel der Opferanwaltschaft sei die Kontaktaufnahme mit den diözesanen Ombudsstellen aber auch den diversen Opfer-Plattformen, mit einigen davon habe man bereits Kontakt hergestellt. Noch einmal betonte Klasnic die Unabhängigkeit ihrer Stelle: "Opferschutz heißt Opferschutz und sonst nichts."
Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes und Mitglied der achtköpfigen Kommission, versicherte "entsprechende anwaltliche Hilfestellung" für die Opfer zu ermöglichen. "Es wird hier sicher nichts unter den Tisch gekehrt." Dem Publizisten Hubert Feichtlbauer geht es vor allem darum, "Strukturen ins Blickfeld zu rücken, die diese Entwicklung gefördert haben". An "monokausale Erklärungen" glaubt der "bekennende katholische Christ" mit "kritischer Loyalität" allerdings nicht.
"Rasch und unbürokratisch helfen"
"Sammeln und als Feuerwehr dort agieren, wo es wichtig ist" erwartet Udo Jesionek, Präsident der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring" und von der Opferanwaltschaft, der auch er angehört. Als ehemaliger Präsident des Jugendgerichtshof habe auch er sich mit dem Thema sexueller Missbrauch befasst, Schönborn glaubt er "die Ehrlichkeit", was die Aufarbeitung betrifft. "Rasch und unbürokratisch helfen" will auch Caroline List, Richterin am Oberlandesgericht Graz und Mitbegründerin des Forums gegen Sexuellen Missbrauch. Ulla Konrad, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, sieht durch die Kommission "Expertenbehandlung gewährleistet".
Eine staatliche Kommission hätte der langjährige Präsident des Wiener Stadtschulrates und Restitutionsbeauftragter der Stadt Wien, Kurt Scholz, gerne gesehen. Von politischer Seite scheine dieser Wunsch allerdings "durchaus enden wollend" weswegen er sich der Klasnic-Kommission angeschlossen habe. Scholz erwartet sich "klare, individuelle Entschuldigungen" anstelle von "allgemeinen Mitleidsbekundungen" sowie Entschädigungen. Aus religiösem Engagement ist Scholz übrigens nicht in der Kommission: "Dieser Chip zur Fernsteuerung fehlt mir." (apa/red)
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