Die WM ist eine Party
- Nina Strasser über das Freiheits-Symbol Fußball

Südafrika hat riesengroße Probleme: die hohe Kriminalität, die enorme Verbreitung von Aids, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Schwarz und Weiß. Und damit sind nur einige genannt. In weniger als 50 Tagen findet ausgerechnet dort die Fußballweltmeisterschaft statt. Einige Menschen halten das für einen Skandal. Hier die sündhaft teuren Stadien, dort die Slums ohne Wasser und Strom. Darf das sein? Natürlich nicht! Merkwürdigerweise ist die Vorfreude auf die WM aber gerade bei den Ärmsten am größten. Freilich nutzen sie die Gelegenheit, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Aber die Fußball-WM gefährden? Das ist nicht in ihrem Sinne. Vor 15 Jahren hatte der erste schwarze Präsident Südafrikas, Nelson Mandela, das bis zum Ende der Apartheid Anfang der 90er-Jahre geteilte Land zu vereinen versucht, indem er das weiße Rugby-Team bei der WM in Südafrika unterstützte. Nun soll Fußball, der Sport der Schwarzen, endlich auch sein Großereignis erhalten. Ein großer Sieg in den Augen der lang unterdrückten Bevölkerungsmehrheit. Das will sie, trotz aller noch zu bewältigenden Probleme, mit der ganzen Welt gebührend feiern. Selbst wenn sich diese scheinbar nicht recht mitfreuen will.
