Über dem Gesetz
- Markus R. Leeb über Schlupflöcher für Reiche
- Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?
Die Bundesfinanzierungsagentur, der Manager der Schulden unserer Republik, unterliegt jetzt strengeren Regeln. Sie darf Geld, das dem Staat und damit uns allen gehört, nicht mehr in der Karibik veranlagen. Das ist löblich. Doch das wahre Karibik-Problem ist damit nicht einmal berührt.
Nahezu in jedem Finanzskandal, der uns erschüttert, führen Spuren in Steueroasen wie die Karibik, Liechtenstein oder das US-eigene Finanzparadies Delaware. Das war bei der Bawag so, ist bei der Hypo, der Buwog und der Immofinanz nicht anders. An diversen Stiftungen in Liechtenstein beißen sich die Ermittler heute noch die Zähne aus. Die EU-Finanzminister debattieren zwar über eine Transaktionssteuer, aber die einzig sinnvolle Maßnahme, nämlich weltweit als gemeinsame Aktion der Staatengemeinschaft solche Steueroasen zu schließen, wird nicht einmal angedacht. Dabei schätzt die OECD, dass sechs bis acht Prozent des weltweiten Vermögens in solchen Offshore- Finanzplätzen verwaltet werden. Offshore bedeutet geringe Steuern und wenig Kontrolle. Wir sprechen von rund fünf Billionen Euro, also 5.000 Milliarden, die außerhalb der Landesgesetze geparkt sind. Leisten können sich das nur sehr reiche Privatpersonen und Konzerne. Ob das Geld ehrlich erworben wurde, interessiert nicht so sehr.
Markus R. Leeb
leeb.markus@news.at
