Mittwoch, 28. April 2010

Über dem Gesetz

  • Markus R. Leeb über Schlupflöcher für Reiche
  • Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?

Die Bundesfinanzierungsagentur, der Manager der Schulden unserer Republik, unterliegt jetzt strengeren Regeln. Sie darf Geld, das dem Staat und damit uns allen gehört, nicht mehr in der Karibik veranlagen. Das ist löblich. Doch das wahre „Karibik-Problem“ ist damit nicht einmal berührt.

Nahezu in jedem Finanzskandal, der uns erschüttert, führen Spuren in Steueroasen wie die Karibik, Liechtenstein oder das US-eigene Finanzparadies Delaware. Das war bei der Bawag so, ist bei der Hypo, der Buwog und der Immofinanz nicht anders. An diversen Stiftungen in Liechtenstein beißen sich die Ermittler heute noch die Zähne aus. Die EU-Finanzminister debattieren zwar über eine Transaktionssteuer, aber die einzig sinnvolle Maßnahme, nämlich weltweit als gemeinsame Aktion der Staatengemeinschaft solche Steueroasen zu schließen, wird nicht einmal angedacht. Dabei schätzt die OECD, dass sechs bis acht Prozent des weltweiten Vermögens in solchen Offshore- Finanzplätzen verwaltet werden. Offshore bedeutet geringe Steuern und wenig Kontrolle. Wir sprechen von rund fünf Billionen Euro, also 5.000 Milliarden, die außerhalb der Landesgesetze geparkt sind. Leisten können sich das nur sehr reiche Privatpersonen und Konzerne. Ob das Geld ehrlich erworben wurde, interessiert nicht so sehr.

Markus R. Leeb

leeb.markus@news.at

28.4.2010 11:29
LordPräsens, 30. 04. '10 08:57
Ein wenig paradox
Positiv ist, dass die Schweiz aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommen ab 1.1.2011 als "Steueroase" wegfallen wird. Merkwürdig finde ich, dass es Institutionen wie die Capital Bank gibt welche aktiv dafür werben bei der Rückführung von Geldmitteln (über angeblich legale Wege) behilflich zu sein. Das sich hier niemand aufregt?
brabus, 28. 04. '10 11:48
Schlupflöcher für Reiche
Warum sollten 10% der Weltbevölkerung welche 90% des Gesamtvermögens ihr Eigentum nennen etwas ändern solange man die Politiker wie Marionetten hampeln lassen kann und damit keine Gefahr für diese Leute besteht ?