Airlines auf der Jagd nach Asche: Staat und
Kunden sollen für die Verluste geradestehen
- Europas Fluglinien geht rund eine Milliarde Euro flöten
- Überlegungen zu Staatshilfe, Klagen & Ticketpreisen

·Passagiere kehren
wieder zur AUA zurück
Fluggastzahlen sind im
Juni deutlich gestiegen
·Air Berlin knabbert
an Flyniki-Anteilen
Deutsche Flugline stockt
auf 49,9 % der Aktien auf
·Großes Fernweh bei
den Austrian Airlines
Langstreckenziele im
Visier, Umbau im Inland
·AUA und Lufthansa erhöhen Ticketpreise
Gleichzeitig sinken Treibstoff-Zuschläge
·AUA lastet schwer
auf Lufthansa-Bilanz
111 Mio. Euro Verlust
für Tochter-Fluglinien
·Airlines auf der Jagd
nach verlorener Asche
Staat & Kunden sollen für
Millionenverlust herhalten
·Piloten der Lufthansa
lassen mit sich reden
Streikandrohung bei der
AUA-Mutter vom Tisch
Das stellt selbst 9/11 in den Schatten: 85 von 100 Flügen gestrichen, vier von fünf Flughäfen stehen still. Die isländische Aschewolke hat nicht nur das schwerste Verkehrschaos seit den Anschlägen auf das World Trade Center verursacht, sondern auch reichlich Geld verbrannt. Kohle, die sich die Fluglinien nun vom Staat zurückholen wollen. Und von den Kunden.
Eine runde Milliarde hat das Desaster aus heiterem Himmel die europäische Flugbranche bisher gekostet. Noch sind die Fluglinien mit der Wiederherstellung des regulären Flugverkehrs zu beschäftigt, um sich an die düstere Bilanz des vergangenen Wochenendes zu machen. Aber es gibt bereits erste Schätzungen - und die fallen verheerend aus.
Knappe zehn Millionen Euro wird die Vulkanasche voraussichtlich Fly Niki kosten und damit beinahe den gesamten Vorjahresgewinn von Niki Laudas Airline verschlingen. Und doch gibt es Fluglinien, die es noch schlimmer erwischt hat: British Airways darf mit einem Verlust von 90 Millionen Euro rechnen, in ähnlichen Dimensionen wird sich der Schaden der AUA-Mutter Lufthansa bewegen.
Geld vom Staat?
"Tatsache ist, dass wir hier riesige Verluste erleiden", fasst Air Berlin-Chef Joachim Hunold die Lage zusammen, um sogleich den Staat ins Spiel zu bringen: "Wir werden gucken, ob wir hier nicht eine vergleichbare Situation mit den Terroranschlägen vom September 2001 haben", was den Zugriff auf Staatshilfen beinhalten würde.
Die Idee, sich beim Staat für die erlittenen Verluste schadlos zu halten, hat inzwischen auch auf Österreich übergegriffen: Finanzielle Entschädigungen, wie sie Fly Niki prüft, könne man laut Wirtschaftsminister Mitterlehner nicht ausschließen, denkbar wären aber auch Bitten um Staatshilfen, wie sie die Republik etwa der Bankenbranche vor einem Jahr gewährt hat.
Aber auch von einer anderen Seite könnten sich die Fluglinien verlorene Asche wieder hereinholen: von den Kunden. "Die Preise könnten um durchschnittlich drei bis vier Euro ansteigen", erwartet Luftfahrtexperte Cord Schellenberg im Gespräch mit der "Thüringer Allgemeinen". Ob dieses Vorhaben das Vertrauen in die ohnehin bereits gebeutelte Flugbranche erhöht? Entscheiden werden das ohnehin die Kunden.
(mei)
