Der Kirche stehen unselige Zeiten bevor:
Austritte kosten Erzdiözese Wien Millionen
- Weiss: "Müssen geplante Projekte überdenken"
- Renovierungsvorhaben leiden unter Sparzwang

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Die steigende Zahl von Kirchenaustritten beschert der Erzdiözese Wien ein Budgetloch. Im kommenden Jahr rechne man mit "zwei bis drei Millionen Euro weniger" sagte Josef Weiss, Leiter des Kirchenbeitragsdienstes der Erzdiözese Wien. Als Folge "müssen wir alle Projekte, die bisher geplant waren, noch einmal überdenken, redimensionieren oder überhaupt lassen". Ein Beispiel ist die Kirche Maria vom Siege in Rudolfsheim-Fünfhaus, deren dringend notwendige Sanierung abgeblasen wird.
"Die Austritte steigen heuer und wir verlieren pro Ausgetretenem ca. 100 Euro", so Weiss. "Die Austritte von heuer werden nächstes Jahr schlagend." 2010 werde man sich auf dem selben Niveau wie im Vorjahr bewegen, für 2011 rechnet man aber mit "zwei bis drei Prozent weniger". Das "wirkt optisch nicht so viel, ist aber schlimm, weil die Kosten ja steigen. Wir haben dann ein Loch im Budget."
Also muss gespart werden. Überdacht würden vor allem Infrastrukturprojekte. Von der Kirche Maria vom Siege fallen zwar regelmäßig Fassadenbrocken auf den Gehsteig, doch die Renovierung hätte elf Millionen Euro gekostet, eine Million davon allein das Gerüst. "Das machen wir jetzt nicht", sagt Weiss. Lediglich eine Schutz-Absperrung wird errichtet. Und die Diözese macht sich auf die Suche nach einer "anderen christlichen Gemeinde, die das Gotteshaus führen wird". Man wolle die "Sorgen und Kosten teilen" - oder sie überhaupt ganz abgeben. Doch auch bereits laufende Renovierungen "draußen in den Bezirken" von 500.000 bis drei Millionen Euro müssten jetzt neu bewertet werden.
Kündigungen seien derzeit indes nicht geplant, hält Weiss fest. Allenfalls bei Honoraren und Bezuschussungen könnte der Sparstift angesetzt werden. Ein Ende der Talfahrt sehen die internen Prognosen übrigens nicht wirklich kommen: "Wir haben gewusst, dass wir die nächsten 20 Jahre mit Rückgängen zu rechnen haben, aber da ist jetzt der Turbo drinnen, die Entwicklung verkürzt sich auf fünf Jahre." Ein Szenario "geht von einer Reduzierung bis auf 60 Millionen Euro" aus.
(apa/red)
